„Anfangs ergab sich dies von selbst, zufällig. Dann aber unterstützte ich absichtlich Ihre Täuschung, entfernte sogar von meiner Kleidung alles, was Ihnen die Wahrheit hätte verraten können. Mich erschreckte die Schwere und Kompliziertheit Ihrer Aufgabe, ich fürchtete, diese noch verwickelter zu gestalten, besonders als ich später Ihre unbewußte Zuneigung zu mir wahrnahm. Auch verstand ich mich selbst nicht recht ... bis zu Ihrer Krankheit.“

„Diese also hat die Lösung herbeigeführt ... Wie segne ich meine lieben Halluzinationen!“

„Ja, als ich von Ihrer Erkrankung erfuhr, traf es mich wie ein Hammerschlag. Hätte ich nicht vermocht, Sie vollständig zu heilen, ich wäre vielleicht gestorben.“

Nach einigen Augenblicken des Schweigens fügte sie hinzu:

„Wissen Sie auch, daß sich unter Ihren Freunden noch eine Frau befindet, von der Sie dies gleichfalls nicht ahnten? Sie ist Ihnen sehr zugetan, freilich nicht so wie ich ...“

„Enno!“ erriet ich sofort.

„Selbstverständlich. Und auch Enno führte Sie absichtlich irre, befolgte dabei meinen Rat.“

„Ach, wie viel Trug und Feigheit gibt es doch in Eurer Welt!“ rief ich mit scherzhaftem Pathos. „Laßt nur, bitte, Menni einen Mann bleiben, denn verliebte ich mich in ihn, so wäre dies furchtbar.“

„Ja, dies ist furchtbar“, entgegnete Netti gedankenvoll, und ich verstand ihren seltsamen Ernst nicht.

Tage reihten sich an Tage, und beglückt nahm ich von der schönen neuen Welt Besitz.