Flieger-Werkstätte: Im Hangar bei Pau. Eine gewölbte Tragefläche ist rechts in ihrer ganzen Ausdehnung zu sehen.

Lokalanzeiger Nr. 588 vom 18. November 1907.

Die Flugmaschine der Gebrüder Wright.

Dayton (Ohio), Ende Oktober.

„'Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte', so kann man auch von dem Drachenflieger der Gebrüder Wright sagen! Dass die beiden eine Flugmaschine gebaut haben, weiss jeder Fachmann; auch glaubt man es meist, dass sie mit dieser frei in der Luft geflogen sind; dass sie aber längere Strecken mit grosser Geschwindigkeit zurückgelegt haben und dabei wieder an die Abfahrtsstelle zurückgekehrt sind, das wird heute noch von den meisten Luftschiffern bestritten! Um die Sache zu klären, habe ich hier an Ort und Stelle bei zehn Augenzeugen eingehende Nachforschungen angestellt, auf Grund deren ich zu der Ueberzeugung gelangt bin, dass alle Angaben über diese Flugmaschine auf voller Wahrheit beruhen.“

Es folgen nun einige Angaben über die ersten Versuche, alsdann fährt der Artikel wie folgt fort:

„Grosses Aufsehen erregten nun die am 12. März 1906 von den Erfindern veröffentlichten Daten über die mit dem Motorluftschiff erzielten Erfolge. Danach sollte schliesslich als beste Leistung am 5. Oktober 1905 ein Flug von 38,956 Kilometern in 38 Minuten 3 Sekunden vollendet worden sein. Wenn diese Angaben den Tatsachen entsprachen, so war damit das Zeitalter des ballonlosen lenkbaren Luftschiffes angebrochen! Die Fachwelt verhielt sich zunächst abwartend und dann ablehnend. Hierzu war auch aller Grund vorhanden. Erst hiess es, die amerikanische Regierung habe die Flugmaschine für eine Million Dollars angekauft; dann plötzlich wurde dies dementiert und man hörte, Wrights versuchten in Frankreich ihre Erfindung los zu werden. Die Verhandlungen zerschlugen sich aber, weil die Konstrukteure die Forderung stellten, man solle ihnen ihr Luftschiff unbesehen für eine Million Dollars abnehmen; allerdings verpflichteten sie sich, nach Inkrafttreten des Vertrages den Flieger in einem 50 Kilometer langen Fluge vorzuführen. Auf solche Abmachungen wollte aber niemand eingehen. Demnächst hörte man nichts mehr von den Wrights, bis der Aeroklub von Amerika erklärte, auf Grund seiner Untersuchungen sei er zu der Ueberzeugung gekommen, dass die Angaben der Brüder auf Wahrheit beruhten. Aus Interesse zur Sache beschloss ich, an Ort und Stelle selbst Nachforschungen anzustellen und die Angelegenheit zu klären. Zunächst nahm ich Fühlung mit den beiden Konkurrenten der Wrights, Herring in New York und Chanute in Chicago. Jener erklärte mir, dass er nach Rücksprache mit Augenzeugen die gemachten Angaben nicht mehr bezweifeln könne; die Sache sei so einfach, dass er hoffe, mit Hilfe eines von ihm erprobten leichten Motors, der nur 1 Pfund (etwa 3/4 deutsche Pfund) pro Pferdekraft wöge, die Leistungen bei weitem zu übertreffen. Chanute dagegen hatte selbst einen Flug von 3/4 Meile (1,2 Kilometer) gesehen und erkannte rückhaltlos an, dass Wrights das Flugproblem in tadelloser Weise gelöst hätten. Die Maschine sei äusserst einfach, und der Flug habe sich in überraschend sicherer Weise vollzogen. Er, Chanute, sei zu der Einsicht gekommen, dass die Brüder auf dem richtigen Wege seien, und er habe deshalb schweren Herzens seine langjährigen Versuche eingestellt, weil er mit ihnen nicht mehr konkurrieren könne. [Footnote: Siehe auch Seite 24 unten und Seite 25.] Auf meinen Wunsch machte er mir einige Zeugen der Flüge namhaft.