Das hinten befindliche Horizontalsteuer: ist bei der Landung beschädigt. Man sieht oben rechts eine gebrochene Holzstrebe herausragen.

„Ich glaube, die Tatsache des Vorhandenseins der ersten praktisch erprobten Flugmaschine kann wohl niemand mehr ernstlich bestreiten; es ist unmöglich, dass sich so viele angesehene Leute der verschiedensten Berufsklassen und des verschiedensten Alters verabredet haben sollten, einem Erfinder zuliebe das Blaue vorn Himmel herunterzulügen. Bei einem so langen 'Verhör', das nach vorher genau festgesetztem Programm angestellt worden ist, hätten sie sich in einzelne Widersprüche verwickeln müssen. Es sei im übrigen bemerkt, dass ich aus Zeitmangel nur 10 Leute aufgesucht habe; fast jeder einzelne hatte mir noch weitere Zeugen namhaft gemacht. Warum nun aber weigern sich die Gebrüder Wright, ihren Flieger eventuellen Käufern vor Abschluss des Vertrages in freiem Fluge vorzuführen? Wenn sie wirklich so grosse Erfolge erzielt haben, hätten sie doch das Tageslicht nicht zu scheuen gehabt!
„Auch hierfür glaube ich eine plausible Antwort gefunden zu haben. Der Flieger ist eben so einfach, dass sie fürchten, der Käufer wendet nach Besichtigung keine so hohe Summe, wie eine Million Dollars, an. Ausserdem glaube ich, dass eine sehr grosse Uebung dazu gehört, die Flugmaschine zu führen.
„Es wird nicht jeder Luftschiffer imstande sein, sofort damit loszufahren, sondern es gehört grosse Geschicklichkeit dazu, die sich die Brüder Wright durch ihre zahlreichen Gleitflüge vorher erworben hatten.
„Ich bin nun der Ansicht, dass wir jetzt, nachdem es erwiesen ist, dass man auch mit Luftschiffen, deren Gewicht nicht durch Gasballon getragen wird, fliegen kann, uns ernstlich der Konstruktion von Flugapparaten zuwenden müssen. Dagegen bin ich der festen Ueberzeugung, dass es nicht der hohen Summe von vier Millionen Mark bedarf, wenn wir deutsche Ingenieure und Flugtechniker—ich nenne z. B. Regierungsrat Hofmann in Berlin—mit dieser Aufgabe betrauen. Wir werden dann sicher nicht den amerikanischen Erfindern nachstehen.
„Hauptmann a.D. Hildebrandt.“

Wright erteilt seinem Schüler Tissandier Unterricht: Der Flieger steht mit seinen Schlittenkufen etwas über dem Erdboden. Die linke Schraube mit Welle und gekreuzter Kettenübertragung ist deutlich sichtbar.

Diese Veröffentlichung fand auch auszugsweise Platz in verschiedenen deutschen, amerikanischen, englischen und französischen Zeitungen. Aber nur wenige Leute waren auch durch diese Darstellung überzeugt, im Gegenteil, mancher hervorragende deutsche Fachmann warf Verfasser noch bis zum Juni 1908 vor, er habe sich arg düpieren lassen. Nunmehr kam aber am 10. Februar 1908 aus New York die Nachricht, dass die amerikanische Regierung 3 Aeroplane bestellt habe, einen bei den Gebrüdern Wright für 25000 Dollar, den zweiten bei dem hier schon genannten Herring für 20000 Dollar und den dritten bei einem Flugtechniker Skott in Chicago für 1000 Dollar. Die Bedingungen, unter denen die Regierung die Abnahme der Flieger vollziehen wollte, waren folgende: „Die Abnahmeversuche finden statt unter Aufsicht des Signalkorps in Fort Myers in Virginia. Die verlangten Leistungen sind folgende: 1. eine Schnelligkeitsprüfung über eine Strecke von 16 Kilometer 900 Meter auf einer Fahrt hin und zurück; 2. ein Flug von einstündiger Dauer über eine Strecke von 64,30 Kilometer—40 Meilen—ohne Zwischenlandung. Der Aeroplan muss mit zwei Personen bemannt sein. Jede Maschine kann drei Abnahmefahrten unternehmen.“ Wenn ein Apparat weniger als 40 Meilen in der Stunde zurücklegt, so wird der Kaufpreis vermindert. Bei einer geringeren Geschwindigkeit als 36 Meilen in der Stunde wird die Maschine nicht abgenommen; wird dagegen eine grössere Geschwindigkeit erreicht, so wird der Kaufpreis erhöht. Bei einer Geschwindigkeit von 60 Meilen in der Stunde wird er sogar fast verdoppelt. Sobald irgend ein Punkt des Programms nicht genau eingehalten werden sollte, wird 10 Proz. der gestellten Kaution zurückbehalten. Die Wrights hatten 2500 Dollar Kaution zu stellen. Im Mai 1908 begaben sich nun die beiden Brüder in ihre alte Einöde zu Kill Devil bei Kitty Hawk, wo sie, weit entfernt von den wenig Anerkennung zeigenden Mitbürgern ihrer Heimatstadt, ungestört arbeiten konnten.

König Eduard von England begibt sich auf dem Felde Pont Long bei Pau zum Startplatz des Fliegers: Rechts neben dem König Lord Cunraven, hinter diesem Ingenieur Rozendaal.