Das muß ich auch, wenn sie dir nicht alle auf den Hals mit ihren Glückwünschen kommen sollen, wodurch deine Genesung verspätet werden könnte, weil du Ruhe noch brauchst. — Nun halte dich gut — ich habe noch einen Gang itzt zu einem andern Kranken — bin aber eh der Thau im Sonnenstrahl schmilzt, wieder da.
Er sprach es und gieng. Die Thüre fiel unvermuthet ein bischen geräuschvoll zu, und Jilla fuhr aus dem Schlummer, sprang an des Kranken Ruhelager, um zu sehen, ob er etwas bedürfe.
Sebald erblickte sie, und erschrak vor Freude, daß es ihm bei dem angestrengten Ausruf: Das Mädchen! durch alle Wunden bohrte.
Jilla sah ihn munter, und fragte zärtlich lächelnd: Ist dir wohl, lieber Mann! Leidest du noch immer große Schmerzen? Ach erhohle dich nur bald und erkranke nicht mehr — Sebalds Herz klopfte schneller, Erstaunen und Freude belebten ihn — er fand lang kein Wörtchen zu sprechen, endlich sprach er: Wie kömmst du hieher? und eine leichte Röthe übergoß die blassen Wangen.
Jilla. Je ich bin ja mit meinem Vater schon lange lange da — o gut daß dich der Himmel zu uns bringen ließ — ich will deiner recht warten — ich habe dich gleich erkannt und wäre lieber gestorben, eh ich nicht jede Minute hätte sehen sollen ob du besser wirst. —
Seb. Ich danke dir von Herzen — gute Seele. Wie lange sah ich dich schon nicht!
Jilla. So? Hast du zuweilen doch an mich gedacht? das freuet mich herzlich — ich bin so froh, daß du da bist — nun mußt du auch recht lange bleiben. In 3 Wochen wirst du noch kaum fortkönnen. —
Seb. Der Arzt sagte in 3 Tagen — dann muß ich wieder in die Stadt.
Jilla etwas bestürzt, wünschte fast, der Kranke möchte nur lieber noch 3 Wochen lang nicht genesen, nur daß sie um ihn seyn könnte.