Dies ist ein Becher, der in jedem Hause des Landes nach Verhältniß des Vermögens von Gold, Silber, oder bei minderbegüterten Landleuten wenigstens aus feinem Porzellain gebildet ist. Bei einem Gastmahle steht er in der Mitte des Tisches, und dem Gaste reicht ihn der Gastherr, der ihm aus einem zweiten das frohe Willkommen zutrinkt, worauf ein kleines Mahl beginnt.

Von Golde mit spielenden Brillianten besezt war der, den Bengler Welly reichte. Das Bild der Gastfreiheit und Freundlichkeit mit den Worten: Willkommen! war darauf geäzt.

O so drück ich denn noch einmal wieder dich, mein guter Wallingau, an mein Herz! — Sprach Bengler freudig. Sey willkommen!

Willkommen! Willkommen! scholls unter den andern, und die beiden Wallingauer wurden wie im Triumpf nach dem Rasensitz unter der Eiche geführt. Die ganze Gesellschaft ward munterer. Welly kannte außer seinem Freunde keins der Glieder, und doch waren alle so vertraulich und frei gegen ihn, als hätte man sich zu tausendmal gesehen, und seit unzähligen Jahren gekannt.

Salassin ward hingerissen von der lautern Munterkeit des Kranzes fröhlicher Menschen. Die Mädchen schielten mit lüsternen Blicken nach ihm, und wünschten ihm als sie erfuhren, er reise in die Residenzstadt, ein recht angenehmes Leben in der vergnügenvollen Stadt.

Der Abend sank vom leicht bewolkten Himmel auf rosigten Flügeln hinab, die Sonne glänzte am westlichen Horizont in halber Goldscheibe, und ein rother Strahl spiegelte in dem weniggefüllten Pokal. Man beschloß einen Spaziergang in den Park, und die Gesellschaft begab sich paarweise dahin.

Lolly — sagte Spengler zu seiner Tochter, einem Mädchen, dem an den Rosenwangen der Frühling zum sechzehntenmale blühte — Lolly unterhalte doch unsern jungen Gast recht gut.

Ja, Vater: das will ich schon thun! — meinte sie, und ihre Wange ward höher roth. Sie schloß sich an Salassin, und wandelte mit ihm in die schönen Gänge des Gartens.

Heute war ein sehr schwüler Tag! begann Lolly, indem sie schalkhaft ihren Führer anlächelte, der zum erstenmal an einer so schönen Seite gieng. — Ihr beiden werdet müde auf der Reise geworden seyn.

Um so angenehmer labt uns die Ruhe, und besonders hier, wo der kühle Abend, und so liebliche Blüthen um uns sind! — sprach Salassin etwas verblüft; denn ihm ward es schon bei Lollys ersten Anblicke wunderlich ums Herz. Wenn das Mädchen zehnmal ein allerliebstes Gesprächsel anfieng, ließ der schüchterne Salassin sonst so gewandt um frey — zehnmal ließ er den Faden fallen. Ein niegefüllter Drang klopfte schneller in seinem Pulse, und die Glut seines Gesichtes stieg höher bei jeglichen Blicke, den Lolly mit ihrem freundlichen Auge auf ihn warf.