Nicht Erbrecht, nicht Geburt, der Geist
macht groß und klein.

Hagedorn.

Edle Thaten, Verdienst um das Wohl der Nation, oder Erfindungen, welche den Menschen nützen, und sie erhöhen, adeln den Bürger des Staats. Er sey der Sohn eines Fürsten oder eines Ackermanns.

Der erfahrneste, weiseste Mann ist der Kaiser Germaniens; gleich verdient um sein Vaterland durch mannigfaltige Kenntnisse, Geistes und Herzenstugenden, als auch berühmt durch erhabne Handlungen um das Wohl des Menschengeschlechtes. Ausgezeichnete Vorzüge, alle gemein erkannte Ueberlegenheit an den trefflichsten Eigenschaften über alle, machen ihn des Thrones würdig.

Der Bürger, der gleichfalls nur durch moralische Vorzüge, und ohne diesen unedel war, und sollte er des Goldes vollauf haben, lebte froh und ungestört im Genuße der Früchte seiner Thätigkeit; häuslich und voll der Liebe, voll der innigen Verehrung seines Kaisers, der ein Vater aller war, lebte er begeistert vom Gefühl des Friedens im Ueberfluß.

Unter so manchen Biedermännern gab es einen gewissen Grafen von Wallingau, der Edelsten einer die Germaniens Boden trug.

Sein Vater war ein Landmann gewesen, stark und schlicht, wie sein Pflug, mit dem er sein Brod baute; herzensgut und redlich. Sein ungemeiner Fleiß erwarb ihm ein großes Vermögen, das ohngeachtet seiner Mildthätigkeit die oft sogar an Verschwendung gränzte, immer grösser wuchs, und nach seinem Tode dem einzigen Sohne Welly zufiel, der seinem kindlich betrauerten Vater nacheifernd Herzensgüte mit Talent, Seelenstärke mit Eifer und Thätigkeit vereinte, um so seinem Vaterlande Ehre und Vergnügen zu machen.

Anfangs blieb auch Welly bei dem Geschäfte, des Ackerbaus. Die Natur seine stäte Führerinn, hatte den Drang zu Wissenschaften in sein Herz gelegt, der immer stärker und endlich zum Bedürfnisse ward, das Befriedigung heischte.

Die Naturgeschichte war unter vielen andern Gegenständen, welche die treffliche Einrichtung des Staats jeglichem Gliede zur Kenntniß ans Herz legte, sein Lieblingsstudium. Das von seinem Vater ererbte Vermögen sezte ihn in den Stand seine Wißbegierde auf Reisen zu sättigen. Er durchzog einige Jahre lang im Vaterlande und den angränzenden Reichen die Fluren der Gelehrsamkeit, sog überall den Honig aus den Blumen, und kam ein geschikter Physiker in seine heimischen Auen zurük, wo er rastlos seinem Fache oblag und es darinn soweit brachte, daß er in einem Raum von acht Jahren durch unermüdetes Forschen und Streben verschiedene nützliche Maschienen erfand. Dies, und Wellys geschäzte Eigenschaften überhaupt, vorzüglich seine Verdienste um die Armen, denen er oft im größten Frost, Holz, Speise und Kleider und Geld trug, wurden denn auch belohnt, da überall Gerechtigkeit in der Belohnung des Verdienstes und Aufmunterungseifer die ganze Nation beseelte.

Eben war durch den Tod des Besitzers die Grafschaft Wallingau leer. Welly ward als Kandidat vorgeschlagen, und da seine Verdienste grösser und edler als jene aller andern Kandidaten waren, so entschied für Welly der Kaiser, und Welly ward Graf von Wallingau.