Nun lief er den ganzen Schlag durch. Jadillchen! Jadillchen! Aber Jadillchen war verschwunden, das Echo wiederhallte die Antwort: Jadillchen! Fort über Stock und Stein durch Hecken und Sträuche suchend und ruffend; aber Jadillchen war verschwunden. Müde gelaufen und heiser geschrien lief er auf die Eltern zu, und konnte kaum ein Wörtchen vor Bestürzung stammeln. Salassin saß dem Vater zur Seite abgemüdet vom Papilionenfang.

Wo ist Jadillchen? — fragte die Mutter.

Daß sie sich nicht verirre! Der daranstossende Wald ist groß und verworren. — Fügte der Vater bei.

Ach Herr! — stotterte der todtenblasse Willot. — Ich kann kaum mehr sprechen — überall war ich — Jadillchen ist verschwunden! — Er sprachs keuchend und lief sogleich wieder in den Schlag, lieber athemlos, müd und erschöpft bei dem Suchen liegen zu bleiben, als hier die erschrokenen Gesichter länger anzusehn.

Welly eilte nach, mit Mutter Jadilla an der Hand. Salassin folgte den Vorauslaufenden.

Sie suchten und riefen, und riefen und suchten; aber freylich — vergebens. Mit jedem Pulsschlage ward ängstlicher die bange Mutter, besorgter der Vater.

Die Sonne stand hoch am Himmel, die Schwüle des Tages, die heftige Bewegung im Herumrennen, und die Angst ermattete bald die Forschenden. Jadilla gieng eilig dem Schlosse zu frische Leute zu schicken. Eine Kutsche ward bespannt, sie fuhr mit andern ins Wäldchen zurük.

Die Hälfte der Dorfbewohner vergaß des Mittagmahles, das sie eben genoßen, vergaß Ruhe und Geschäfte, und lief der Gräfinn nach in das Wäldchen. Vereint suchten Alle — kein Pläzchen im Walde blieb unbesehn: aber freylich — das Mädchen ward nicht gefunden.

Müde und matt schliechen die Guten zurük: bestürzt kam der Vater, todtenblaß die Mutter in das Schloß: ihres Kummers heiße Thränen bewegten auch den Knaben Salassin zum weinen, und er rief schluchzend: „So ist Jadillchen nicht da? Jadillchen! ach Jadillchen! bist verloren! nun springst du nimmer mit mir im Grase herum!

Zwei unbeschreiblich jammervolle Nächte waren bereits vorüber, der Mutter schienen sie Jahrhunderte, und noch war keine Spur. Am zweiten Morgen kam endlich Welly zurük — mit seinen Leuten: sie hatten alle an den Hügel anstossende Wälder durchspürt, in den nahen Dörfern herumgefragt, ach! des Vaters Besorgniß ward folternder Schmerz; denn alle Mühe war vergebens.