Jadillchen fuhr inzwischen mit der fremden Dame immer weiter von der heimischen Flur. Sobald ihr Wundenschmerz nachgelassen hatte, wurde das Mädchen sehr munter, sie plauderte mit der Dame, die ihr allerlei Näschereien gab und mit ihr spielte. Die niedliche Schwätzerinn behagte jener immer mehr und mehr, so daß in der Seele der Fremden der Wunsch sich regte: Wenn doch das liebe Kind bei mir bleiben könnte.
Endlich wekte der Anblik eines fremden Schlosses sie aus dem Spiele, und Jadillchen schlug vor Freuden die Händchen zusammen: Mütterchen! Mütterchen da ist! Vater und Salassin.
Das unbekannte Frauenzimmer mochte es aber nur zu gut merken, daß Jadillchen durch die noch ungesehnen Bilder nicht wisse, wo es sey. Sie ließ vor dem Schlosse den Wagen halten, stiegen ab, ein finstrer grämlicher Mann trat tiefsinnig aus dem Gebäude, und gieng dem Garten zu, ohne beide eines Blickes zu würdigen.
Ist das der Vater? — fragte die Dame, die Jadillchen bei der Hand hielt.
Jadillchen schüttelte bestürzt den Kopf, und sah bald das Haus, bald ihre Gefährtin an.
So müssen wie weiter fahren!
Jadillchen schluchzte. „Da ist nicht Vater und Mutter und Salassin!“
Wir werden sie schon finden! tröstete sie die Dame, und hob sie wieder in den Wagen, wo das Mädchen durch den Reitz artiger Spielwerke bald wieder allen Kummer vergaß, und nur dann es fallen ließ und Mütterchen! rief, wenn sie ein Weib irgendwo oder ein Gebäude, dem väterlichen Schlosse ähnlich, erblikte.
So fuhren sie ungefähr, bis der heiße Mittag allmählig seine segnenden Strahlen auf die Fluren warf. Der Staub wirbelte in leichten Wolken unter den Hufen den Rosse und Rädern des Wagens, und die schwüle Luft länger zu athmen, war der Reisenden zu beschwerlich — Sie kehrten in einem der nächsten Gasthöfe an der Landstrasse grade zur Zeit schon ein, als Willot dem Grafen anzeigte, Jadillchen könne er nicht finden.
Der Wirth des prächtigen Gasthofes, ein höflicher artiger Mann, kam ihnen sogleich entgegen, und half den Ankommenden aus der Kutsche: faßte die Dame beim Arme und erschrak als er ihr ins Gesicht blickte. Doch verbarg ers und wies ihr ein Zimmer an, worinn alles war, was der bedürfnißvolleste Mensch nicht gebraucht hätte, und doch war es blos ein noch ganz gewöhnliches Zimmer. Tapeten üppiger an Gold und Seide als vor 500 Jahren Persiens Monarchen sie besaßen, dekten die Wände: grünsamtne Ottomanen zum Ausruhn, niedliche mit den schönsten Holzgattungen ausgelegte Tische, Spiegeln in den Fensterläden und an den Wänden mit silbernen Rahmen. — Ein Wink und zwei geschäftige Diener flogen um das Verlangte.