[8]: Man nennt diese Barken Tentboote und wenn sie kleiner sind Tentcorjaalen. Die grösseren sind etwa 40 Fuss lang und 7 Fuss breit und werden durch acht Neger gerudert. Zwei Drittheile der Länge werden durch die Ruderneger eingenommen, auf dem letzten Drittheil befindet sich eine bedeckte, mit Jalousien und Fenstern versehene Kajüte, in der sich an beiden Seiten breite Bänke befinden, die mit Matrazzen bedeckt werden, auf denen man sitzt oder liegt. Die Barken sind von innen und aussen hübsch angestrichen und gefirnisst, manchmal mit Schnitzwerk und Vergoldungen verziert und kosten nicht selten bei 3000 fl. Die Ruderer derselben sind, besonders wenn sie höhere Beamte oder Eigenthümer von Pflanzungen führen, meistens in Livrée gekleidet und eine grosse holländische Flagge weht vom Hintertheil der Barke.
[9]: Die Kostäcker der Pflanzungen werden meistens blos von einem alten Neger bewacht, der am Eingang in dieselben eine Hütte von Palmblättern bewohnt. Einige Hühner sind sein ganzer Reichthum. Da nun häufig vorkommt, dass fremde Neger der benachbarten Pflanzungen des Nachts in seinen ihm zur Bewachung übergebenen Aeckern Bananen und Erdfrüchte stehlen, er selbst aber zu alt ist, um dagegen etwas zu thun, so bedient sich mancher dieser Wächter einer List, die den Dieben sehr übel bekommt. Er schnitzt aus hartem Holze 3-4 Zoll lange Stifte, die sehr spitzig in ein Brettchen eingeschlagen werden, so dass die Spitze etwa 3 Zoll hervorragt. Auf einem Brettchen befinden sich manchmal zwanzig solcher Spitzen. Diese Brettchen werden nun überall im Grase und an den Gräben versteckt, wo die Diebe vorbeigehen oder darein springen müssen. In diesem Falle durchstechen sie den Fuss, brechen ab und verursachen, besonders wenn nicht schnelle Hülfe angewendet wird, meistens den Brand. Die weggelaufenen Sklaven verstecken diese »Pennen« überall im Umkreise ihrer Schlupfwinkel, als Vertheidigungsmittel vor Ueberfällen der Buschpatrouillen.
[10]: Wie gross die Dieberei der Neger ist, will ich blos durch Folgendes zeigen. Eine Pflanzung in der Matappica-Kreek lieferte die jede Woche nöthigen Bananen für den Posten Gouverneurslust, was etwa 80 bis 100 Busche betrug und die in einer kleinen Pont durch drei Neger und einen Guiden auf jener Pflanzung abgeholt wurden. Die Lieferungszeit war zu Ende und ich wurde vom Kommandanten beauftragt, irgendwo auf einer andern Pflanzung wieder einen neuen Akkord einzugehen. Es war im Monat Mai 1838, als ich von Gouverneurslust nach der Matappica-Kreek reiste und auf der Pflanzung Constantia, woher wir unsere Bananen bisher bezogen hatten, mich nach andern Lieferanten erkundigte. Es befand sich da gerade ein Director, der in der Nähe wohnte und mir versprach, den Akkord mit dem Posten einzugehen. Er schickte auch sogleich durch seinen Voeteboy Befehl an den Bastian seiner Pflanzung, die nöthige Anzahl Bananen abhauen zu lassen, bis wir am Abende selbst kommen würden. Da ich nun den Mittag über auf Constantia blieb, so liess ich meine Pont voraus nach jener Pflanzung Bruinendaal gehen, um am Abend selbst zu Fusse mit dem Director dahin zu kommen. Bei unserer Ankunft lag die benöthigte Anzahl Bananen bereits am Landungsplatze, um, nachdem der Director sie nachgesehen hatte, in meine Pont geladen zu werden. Als ich aber in dieses mit einem Pinadache bedeckte Fahrzeug trat, fand ich bereits über hundert Busche Bananen, die, wie mir der Guide offenherzig gestand, er von den Plantagenegern eingehandelt hatte und mich um Gotteswillen bat, dem Director nichts davon zu sagen. Ich unterliess es auch, weil ich befürchtete, dass mein eingegangener Akkord dadurch zu Nichte gehen könne. Mit diesen Bananen wird dann auf den höher gelegenen Pflanzungen wieder Handel getrieben und von den Sklaven der Zuckereffecte Zucker, Likker oder Dram eingetauscht und letzteres auf dem Posten zu Geld gemacht.
[11]: Die Hauptgemeinde der Herrnhuter ist aber in Paramaribo, wo in dem grossen Bethause dieser Missionäre jeden Tag Schule gehalten und jeden Freitag gepredigt wird. Wenn es ihnen auch nicht gelingt, allen Aberglauben und heidnische Begriffe unter ihrer Gemeinde zu vertilgen, so muss man doch bekennen, dass sie eifrig bemüht sind, denselben, die aus dem grössten Theil der freien Neger und Farbigen, und einem grossen Theil der Sklaven Paramaribo's besteht, Ordnung und häusliche Tugenden beizubringen und ihre Sitten zu verbessern. Es sitzt im Neger leider zu wenig Geist und Energie, um eine Religion anzunehmen, die er nicht begreifen kann; wenn ihm dieselbe nicht dazu nützt, dass ihm seine Arbeit erleichtert wird, so wird er trotz allen Belehrungen nie einen Werth auf sie legen. Dasselbe flaue Christenthum findet man auch unter den französischen Negern, wo die katholischen Priester dieselben mit dem grössten Eifer unterrichten und keine noch so ekelhafte Krankheit scheuen, um sie zu besuchen und zu unterrichten, und welchen Dank sie haben, wird man im Laufe dieser Skizzen sehen.
Vernunft und gute Eigenschaften, wie sie der Weisse besitzt, kommen beim Neger beinahe nie vor und Charaktere, wie der gute Onkel Tom, sind Chimären. Man sehe die Neger in den nördlichen Staaten der Union, wo sie schon seit Generationen frei sind und eben den Unterricht sich verschaffen können, den der Weisse geniesst. Schwingen sie sich je über den Rang eines Bedienten?
[12]: Und es ist nicht allein Gefahr, seine Gesundheit zu verlieren und ein Opfer der Lepra zu werden, es ist der schlechte Charakter der Neger selbst, der ihm am meisten droht. Erst im October 1851 wurde der Priester des Etablissements Batavia, ein Mann, der auf diesem so abgesonderten Platze unermüdet und eifrig in ihren physischen und moralischen Leiden ihnen beistand, von einem dieser Elenden, weil er ihm, um der Trunkenheit vorzubeugen, einen Krug Dram abgenommen hatte, aus Rache vergiftet.
Dritter Abschnitt (S. 50-67).
[1]: Paramaribo wurde in der Mitte des 17. Jahrhunderts durch Engländer angelegt und bestand bei der Uebernahme der Colonie durch die Holländer nur aus wenigen Häusern. Ueber den Ursprung ihres Namens ist man noch nicht im Reinen. Man meint aber, dass ihm dieser zu Ehren des Lord Porham, der unter König Karl dem Ersten von England Besitzungen hier hatte, gegeben wurde. Die Indianer nennen die Stadt Pramorbo, was in ihrer Sprache Blumenplatz bedeuten soll.
[2]: An den Ufern des Tapanahoni wohnen die Aucaner Buschneger, von denen ich später reden werde. Wenn man ihren Aussagen Vertrauen schenken darf, so kann man diesen Fluss noch vierzehn Tagereisen aufwärts fahren, worauf man ihn verlässt und über Berge und Savannen zieht, deren Boden aus spitzigen Steinen besteht, wesshalb sie sich mit aus Moos geflochtenen Schuhen versehen. Nach einem dreitägigen Marsche kommen sie an die Dörfer der Indianer, von welchen sie gegen Messer, Beile, Glasperlen u. s. w. künstlich geflochtene Hängematten und vortreffliche Jagdhunde mitbringen, welche letztere sie auf den Pflanzungen theuer verkaufen. Ich habe durch Buschneger Arbeiten von diesen Indianern bekommen, deren Geschmack und Schönheit ich bewunderte. Es waren Kronen und Schürzen von Federn, meist des Tukans, der Arras und Cassicus und eines hier ganz unbekannten gelben Papageyen. Haben die Buschneger ihre Waaren vertauscht, so helfen die Indianer ihnen das Gekaufte bis an den Tapanahoni tragen, wobei die Buschneger die Stärke dieser Indianer besonders rühmen. Sie sollen, versichern die Buschneger, wenn sie ermattet sind, sich mit einer Schneckenschale die Haut aufritzen und in das Blut ein weisses Pulver reiben, wodurch ihre Kräfte sich sogleich wieder erneuern und sie ihre Reise wieder fortsetzen können. (Etwas Aehnliches fand Schomburgk auf seinen Reisen im britischen Guyana.) Diese Indianer, welche die Buschneger Acouri und Trio nennen, stehen wieder mit den weiter aufwärts wohnenden Salmoës in Verbindung, welche letztere die Pflanzungen der Portugiesen am Amazonenstrome besuchen. Es ist höchst wahrscheinlich, dass die Indianer, mit welchen die Buschneger Handel treiben, die Taruma oder Barokotos sind, die unterm Aequator und zwischen dem 57.-58. Längengrade von Greenwich wohnen. Die Länge des Weges erklärt dieses, denn obwohl die Buschneger sehr langsam reisen, wobei theilweise die Wasserfälle und Strömungen der inneren Gewässer schuld sind, so müsste doch in kürzerer Zeit in jeder anderen Richtung ein französisches oder portugiesisches Etablissement erreicht werden.
[3]: Vor mehreren Jahren, ich glaube im Jahr 1832, ehe man einen Communikationsweg nach dem Posten Armina aus der oberen Comowyne angelegt hatte, ging jeden Monat regelmässig eine Patrouille, welche die militärischen Papiere zu besorgen hatte, vom Posten Prinz Willem Frederik nach Oranje. Es waren jedesmal drei Soldaten, die auf den Sandbänken längs der Küste liefen, bis etwa halbwegs die schlammigen Ufer anfingen, die bis zu dem Posten Oranje sich ausdehnen. Man schlug, wenn man an diese Schlammbänke kam, den Weg landeinwärts ein, um eine Sandritze zu finden, die ebenfalls bis an diesen Posten sich hinzieht. Dabei schlief man eine Nacht im Walde und erreichte am andern Tage den Posten. Im Jahr 1832 nun machte ein erst vor Kurzem aus Europa gekommener Korporal die Reise mit und blieb, um ein natürliches Bedürfniss zu befriedigen, hinter seinen Begleitern zurück. Da er nicht nachfolgte, so kehrten seine Kameraden um, ihn zu suchen, fanden aber keine Spur mehr von ihm, und da sie keinen Vorrath an Wasser hatten, so konnten sie ihre Nachforschungen nicht weiter ausdehnen. – Obwohl man sogleich von Oranje Soldaten aussandte, ihn aufzusuchen, so war doch alle Mühe fruchtlos und man nahm an, dass er verirrt und dem Durste erlegen sey. Ein Jahr darauf landeten Caraiben, die aus Paramaribo nach der Marowyne zurückkehrten, bei stillem Wetter am Seestrande und liessen, während sie Krabben fingen, ihre Weiber im Boote. Plötzlich wurden die Weiber von Wegläufern überfallen, die ihnen ein junges zehnjähriges Mädchen raubten, und ehe die Männer auf das Hülfegeschrei der Weiber herbeieilen konnten, mit ihrer Beute flüchteten. Es kehrten nun sogleich alle Indianer nach Paramaribo zurück und baten den Gouverneur, eine Militär-Patrouille in diese Gegend machen zu lassen, wozu sie ihre Hülfe anboten. Es wurde nun sogleich mit den Indianern eine starke Militär-Patrouille ausgesandt, um das geraubte Kind zu finden und die Dörfer der Wegläufer zu zerstören. Man fand auch ein bedeutendes, und es glückte, mehrere Neger und Negerinnen lebend zu fangen. In einer der Hütten fand man die Uniform des vermissten Korporals, sein Gewehr und die Ueberbleibsel seiner goldenen Uhr, aus deren Gehäuse die Neger Ringe gemacht hatten. Die Gefangenen erzählten auch ohne Scheue, dass sie den unglücklichen Verirrten nahe bei ihren Dörfern gefunden, ihn geschlachtet und gegessen hätten.