Als kleinere Scheidemünze circuliren eine Menge Cents. Das Papiergeld, das manchmal 30% unter seinem Nominalwerth stand, ist im Jahr 1847 ganz abgeschafft und durch holländisches Silbergeld ersetzt worden. Ausserdem sind eine Menge mexikanischer Piaster, französische Fünffranken und Doublonen im Umlauf.

Ehe ich es wage, meine Meinung über die weiteren Einwohner und deren Lebensweise auszusprechen, will ich zuerst eine kleine Schilderung unseres Soldatenlebens geben, wobei ich glaube Jedermann davon überzeugen zu können, dass wir vom Luxus der übrigen Stände ausgeschlossen sind.

Des Lebens erstes Bedürfniss, die Nahrung, ist fürs heisse Clima klüglich berechnet, d. h. wenig und mager. Ausser einem Pfunde guten, weissen Brodes wird eine, aus 5/14 Pfund Reis und 3/7 Pfund gesalzenem Fleische bereitete Suppe vorgesetzt, deren Einfluss auf die Körperkräfte man nur dann beurtheilen kann, wenn man sie selbst gegessen hat.

Des Mittags sind Bananen, die vom Solde eingekauft und mit 1/14 Pfund Speckfett übergossen werden, die Hauptkost. Ueberdiess wurde jeden Morgen ein Schnaps ausgetheilt, welchen die Meisten allem Uebrigen vorzogen. Der monatliche Sold des Soldaten bestand aus circa 10 Gulden, wovon aber verschiedene Abzüge gemacht wurden, so dass wenig genug übrig blieb.

Die Dienstverrichtungen in der Garnison waren jedoch grösstentheils eben so leicht und bequem eingerichtet, als Nahrung und Kleidung spärlich berechnet waren. Die viele freie Zeit, welche der Soldat hatte, und der Mangel an anständigen Vergnügungen trug nicht wenig zu seiner Demoralisation bei. Mancher Ankömmling ergibt sich aus langer Weile oder durch schlechte Gesellschaft verleitet, dem Trunke, den man zu grösserer Bequemlichkeit im Forte haben konnte.

Leider ist die bei weitem grössere Hälfte des Corps diesem Laster ergeben, und da der Preis des Genevers für die Bedürfnisse des Soldaten zu hoch ist, so ersetzt der wohlfeile Zuckerbranntwein, hier Dram genannt, denselben. Es ist merkwürdig, zu welcher Fertigkeit es Einzelne im Trinken gebracht haben; denn es gibt Manche (auch der Civilstand hat solche Matadoren), bei welchen zwei Flaschen täglich ihre Sinne noch nicht umnebeln. Diess ist die Ursache, warum der Soldat bei allen Einwohnern der Colonie in Misscredit steht, und ungeachtet seiner weissen Farbe selbst von Negern nicht geachtet wird. Man muss zwar gestehen, dass dieses Laster nicht blos unter den Soldaten herrscht, die freilich die Folgen ihrer Excesse nie so zu verheimlichen im Stande sind, wie die Bewohner der Stadt oder der Pflanzungen, die ihren Rausch in den Hängematten à leur aise ausschlafen können; aber so viel ist sicher, dass die Hälfte der Truppen Trunkenbolde sind, wenn man der täglichen Erfahrung trauen darf. Die meisten Militärs haben Weiber; denn die Liebe und der Wein, der aber hier durch Dram ersetzt wird, spielen im Militärleben die Hauptrolle. Weiber sind es freilich, aber keine Frauen; denn man hält das Band der Ehe für zu drückend, und die Gewohnheit des Landes, unverheirathet leben zu können, ist zu verführerisch, als dass man diess für eine Schande halten würde. Sieben Achtel der ganzen älteren männlichen Bevölkerung Surinams haben solche Maitressen, und unter 25 Kindern ist kaum eines ehlich geboren. Man begreift leicht, dass der Soldat das Geldstück nicht aus der Münze bekommt, und eine surinamische Missin muss schon ziemlich abgenützt seyn, wenn sie sich von den Abfällen des dürftigen Soldatentisches nähren muss; die meisten dieser farbigen Damen sind aber schlechte Haushälterinnen.

Kinder aus solchen Verbindungen der niederen Volksklasse und der Soldaten wachsen auf, wie die Lilien auf dem Felde, d. h. es bekümmert sich kein Mensch um sie.

Bei allen obscönen Scenen gegenwärtig gilt hier von ihnen mit vollem Rechte: Il n'y a plus d'enfants; sie erhalten wenig oder keinen Unterricht, und herangewachsen bringen sie es selten zu einer ordentlichen Existenz.

Von den Officieren waren viele in alten Zeiten auf diese surinamische Weise verheirathet, und wurden von ihren quasi Frauen nach allen Posten der Colonie begleitet, wo sie die Haushaltung ihrer Männer führten. Ein Officier, obgleich sein Gehalt denjenigen seines Ranges in Holland um ein Drittel übersteigt, kann bei den theuren Lebensbedürfnissen, so sparsam er es auch anlegen mag, in Garnison wenig oder nichts für die Zukunft erübrigen. Es ist desshalb für jeden vortheilhaft, nach den Militärposten detachirt zu werden, wo man Gelegenheit hat, die Finanzen zu verbessern, da die Lebensmittel meist wohlfeiler sind, Wald und Flüsse überflüssig Wild und Fische liefern, und mancher erlaubte Vortheil sich darbietet.

Es bestand unsere ganze Macht aus einem halben Bataillon Jäger, von ungefähr 500 Mann, einer Compagnie Artillerie und einer Compagnie schwarzer Soldaten. Die Garnison zu Paramaribo betrug beinahe 250 Mann, während der Rest auf den verschiedenen Posten im Lande oder an der Seeküste detachirt war, um 45,000 Negersclaven, im Falle sie rebelliren würden, im Zaume zu halten. Dass diess noch nicht geschah, ist ein Beweis von der guten Gesinnung der Neger, und widerspricht der Meinung von der grausamen Behandlung der Sclaven durch die Holländer gänzlich.