A. Kappler.
Erster Abschnitt.
Ursachen der Abreise. Anwerbung in Amsterdam. Ankunft und Aufenthalt in Harderwyk. Einschiffung in Hellevoetsluis. Lebensweise an Bord. Strafexecution. Abreise. Beschäftigungen während der Ueberfahrt. Seepolypen. Anblick des Landes. Einfahrt in den Surinam. Ausschiffung und Aufenthalt auf Forteress Amsterdam. Der Mangobaum.
Ohne eine vorherrschende Neigung für das eine oder andere Fach, das meine bewegliche Individualität besonders angezogen hätte, wählte ich in meinem vierzehnten Jahre das des Handelstandes, wiewohl ich ohne alles Vermögen blos die Aussicht hatte, in ewig subalterner Rolle mein Leben lang hinterm Ladentische fungiren zu müssen, wenn nicht das zweifelhafte Glück mir zur Selbstständigkeit verhülfe.
Durch den Tod meines Lehrherrn musste ich St. verlassen, und, da meine Lehrzeit noch nicht beendigt war, im Laden eines Specereihändlers in einem kleinen Landstädtchen vollends ausstudiren.
Es war auch in der That ein Studium, mir die neuen Verhältnisse eigen zu machen: kaum graute der Morgen, als man zum Verkaufe von Tabak, Zucker und Kaffee das Bett verlassen musste, und regelmässig beschien die aufgehende Sonne Haufen frisch gepappter Tüten verschiedenen Kalibers. Zimmt stossen und Pfeffer mahlen waren kleine Intermezzo's im Ciklus der täglichen Geschäfte, und mit dem Behängen der Fenster mit baumwollenen Tüchern, prächtigen Pfeifen und Rauchtabak-Etiquetten für den kommenden Sonntag schloss die Woche.
Die wenigen Stunden, welche ich des Sonntags für mich verwenden durfte, verlief ich einsam in den nahen Wäldern, oder erkletterte die uralten Thürme der Stadtmauer, um die häuslichen Einrichtungen der dort privatisirenden Eulen zu inspiciren.
Mein Principal, der die Lungenschwindsucht hatte, und desshalb nicht immer bei rosenfarbener Laune war, wünschte mich, wenn ich nicht immer den Ehrgeiz, den ein mittelloser Lehrjunge vor seinem Lehrherrn zeigen muss, zur Schau trug, oder den Tabak mit einer gewissen Nonchalance abwog, in's Pfefferland, welch' frommem Wunsche ich denn endlich auch noch nachkam.
Als meine Lehrzeit vorüber war, bekam ich als Commis eine Stelle in der bedeutenden Handelsstadt H. Hier erst zeigte sich mir der Handel von seiner ehrwürdigen und grossartigen Seite. Bedeutende Kaufleute hatten hier selbst mehrere Commis, und für Lehrjungen war H. die wahre Akademie des Handels. Aber der Widerwillen an meinem Berufe hatte schon zu tief bei mir Wurzel gefasst, als dass ich in dem erweiterten Handelskreise an merkantilischen Kenntnissen noch hätte profitiren können. Ohne ein festes Wollen und Ziel war mir die freie Natur das Liebste, nichts widerlicher als die dumpfige Ladenluft und der gellende Ton der Thürglocke.
Ich beschloss endlich, mein Glück in der weiten Welt zu suchen und in Griechenland, wohin sich in dieser Zeit jeder desperate Kopf anwerben liess, mich unter das Militär aufnehmen zu lassen. Mit diesem Vorsatze und sehr wenig Geld verliess ich am 1. März 1835 H. und sagte im Stillen meinen Oefen und Kacheln, sowie allen Ladenzöglingen der guten Stadt ein herzliches Lebewohl.
Es ist hier nicht der Platz, die Abenteuer dieser Reise zu erzählen. Ohne Pass konnte ich nicht Mitglied der griechischen Legionen werden, und musste desswegen mit hängendem Kopfe wieder in die Heimath zurückkehren.