Der Lärm und der Spectakel in der Schenke waren abscheulich, endigten jedoch mit dem Zapfenstreich, mit welchem sich jeder nach seiner Hängematte zu begeben hatte. Die Besoffenen lagen unter Tischen und Bänken. An Ruhe und Stille war nicht zu denken; denn die ganze Nacht durch dauerten die Zänkereien um die schönen Damen, welche aus allzugrosser Zärtlichkeit Jedem angehören wollten, und deren Sprache keiner verstand, die Lamentationen und Misereres der Besoffenen, und die Flüche derer, welche die Köpfe an die ihnen ungewohnten Klabayen stiessen; dabei peinigte uns eine Unzahl von Mosquittos, welche vorzüglich die Neuankommenden anfallen und eben so lästig durch ihr Gesumme als durch ihre Stiche werden.
Ich sass die Hälfte der Nacht vor der Kaserne und bewunderte die Tausende von Feuerfliegen, welche viel heller sind als die in Europa, und das feuchte Gras durchschwärmen; wären auch nicht die Mosquittos die Ursache unseres Wachens gewesen, so hätten mich doch die Scenen des Tages wachend erhalten, und kaum graute der Morgen, als ich wieder ins Freie ging, wo mir Alles fremd war.
Eine herrliche Allee von Königspalmen fasste den Mittelweg des Fortes ein; ihre federbuschartigen Gipfel berührten sich beinahe und bildeten ein prachtvolles Gewölbe. Eine andere Allee bestand aus dichtbelaubten Bäumen, die grosse, eiförmige Früchte von einladendem Geruche trugen.
Obwohl ich sie nicht kannte, ass ich doch einige und fand sie vortrefflich. Es waren Mangos (Mangifera indica), die um diese Zeit reif sind und zuweilen zwei Ernten jährlich geben. Ihre Frucht hat die Grösse eines Gänseeies, ist auf der einen Seite meist etwas eingedrückt, reif gelb, und wie die Blätter des Baumes von terpentinartigem Geruche. Die Haut wird abgezogen und das gelbe faserige Fleisch vom Steine, der etwas platt, aber beinahe so lange wie die Frucht ist, abgesogen. Es schmeckt sehr süss und angenehm und lässt sich mit keiner europäischen Frucht vergleichen; die Fasern des Fleisches setzen sich gerne zwischen die Zähne. Der Mangobaum wird grösser als der grösste Apfel- oder Birnbaum und trägt von seinem vierten Jahr an Früchte, in günstigen Jahreszeiten in unglaublicher Menge. Auf den Pflanzungen, wo sich häufig ganze Alleen davon vorfinden, mästet man mit den Früchten, die auch einen feinen Branntwein geben, die Schweine.
Allmählig wurde es im Fort lebhaft. Die Neger, lauter Sclaven in Ketten, welche von ihren Plantagen wegliefen und wieder eingefangen wurden, gingen zu ihrer Arbeit. Sie müssen eine bestimmte Zeit von Jahren hier an den Festungswerken arbeiten, um nachher, wenn ihre Strafzeit aus ist, wieder auf ihre Pflanzungen zurückgeschickt zu werden. Sie gehen, wie die meisten Sclaven, beinahe nackt, woran ein Neuangekommener den meisten Anstoss nimmt. Die Kleidung aber, an welche sie nie gewöhnt sind, die ihnen auch in diesem Klima von geringem Nutzen ist, wird fast gar nicht von ihnen gebraucht, auch wenn sie eine solche haben. Ich sah diese Unglücklichen mit grossem Mitleid, und hätte sie, wäre es in dieser Zeit in meiner Macht gestanden, stante pede losgelassen.
Eine Negerin, die ebenfalls in Ketten in der Nähe unserer Kaserne arbeitete, hatte ihrem kleinen, etwa ¾ Jahr alten Kinde einen Strick um den Hals gemacht und auf dessen Ende einen Stein gelegt, dass es nicht zu weit herumkriechen konnte. Sie frug mich, als sie mein Mitleid für das arme Geschöpf sah, spasshafterweise, ob ich es kaufen wolle, und verlangte 30 fl. dafür. Mein ganzer Reichthum bestand aber blos aus 10 fl., dem während der Reise verdienten Sold, der uns am ersten Morgen ausbezahlt worden war, und so musste ich zur grossen Belustigung meiner Kameraden, die wohl wussten, dass die Negerin ihr Kind nicht verkaufen konnte, bedauern, diesen so vortheilhaften Handel aufgeben zu müssen.
Das Geld, das wir erhalten hatten, wurde von den meisten in der Schenke durchgebracht. Andere kauften Hemden und Hosen, um daran keinen Mangel zu haben.
Von den benachbarten Pflanzungen brachte man täglich die verschiedenartigsten Früchte in das Fort, und ich verwendete einen grossen Theil meiner Baarschaft daran. Da es nicht erlaubt war, aus dem Fort zu gehen, so kletterten wir über Gräben und Pallisaden, um die benachbarten Plantagen zu besuchen. Meine Neugierde kannte keine Grenzen.
Den ersten Ausflug machte ich mit einigen Kameraden auf die Zuckerpflanzung Soelen, die am Comewyne etwa eine halbe Stunde von Forteress liegt.
Bei jedem Schritte überraschte mich etwas Neues, Niegesehenes; bald waren es Krabben, die in den Löchern des Dammes ihre Schlupfwinkel hatten und ihre Scheeren drohend aufhoben, wenn man ihnen zu nahe kam, bald grosse Eidechsen, bald prächtige Schmetterlinge; besonders auch die Menge von Aasgeyern, die gar nicht scheu waren, überall herumsassen und kaum aus dem Wege gingen, oder in ungeheurer Höhe, scheinbar ohne alle Bewegung, in der blauen Luft herumkreisten.