In den längs des Stromes oder nahe bei demselben laufenden Strassen sind die Häuser enge bei einander, und nur selten durch Gärten von einander geschieden. Mit Ausnahme weniger, von Backsteinen aufgeführter Häuser sind alle von Holz; sie ruhen auf einem 1-2' hohen, von Backsteinen aufgeführten Gemäuer. Läden und Thüren werden grün bemalt, das andere aber ist perlenfarbig angestrichen. Sie sind mit Schindeln (Singels) aus inländischem, hartem Holze bedeckt; jedoch muss seit dem grossen Brande im Jahr 1832 jedes neue Haus mit Ziegeln oder Schiefer bedeckt werden. Glasfenster sind wegen der Hitze wenig im Gebrauche; man hat dafür Jalousien oder Sassineten von Gaze.
In den entfernteren Stadttheilen ist beinahe bei jedem Hause ein Garten, von dem man aber meistens wenig Gebrauch macht; diese Gärten sind mit einander durch Hecken von Limonen verbunden. – Küchen und Abtritte sind vom Wohnhause abgesonderte Gebäude; meistens befinden sich auch noch Häuser für Sclaven, sowie Magazine auf dem Hofe. Jedes Haus hat zwei Thüren an der Strasse; die eigentliche Hausthüre ist für Weisse, die andere, Negerpoort, an welche man durch den Hof gelangt, für Sclaven und ärmere Leute bestimmt.
Verschiedene Canäle, welche ihr Wasser aus dem Strom erhalten, durchschneiden die Stadt. Zwei Vorstädte heissen Combé und die Freicolonie, welche letztere meistens von freien Farbigen bewohnt wird, die, als sehr faul, auch sehr ärmlich leben.
Oeffentliche Gebäude und Privathäuser zeichnen sich mehr durch Zierlichkeit als durch imposante Bauart aus. Das Gouvernement liegt zwischen der Stadt und dem Forte an einem grossen, mit Rasen bedeckten Platze »het plein«. Es ist ein grosses, stattliches, von Holz aufgeführtes Gebäude, das eine schöne Aussicht auf den Fluss gewährt. Sein früher verwahrloster Garten ist jetzt (1850) sehr gut unterhalten und dient als Probeschule für tropische Pflanzen. Eine herrliche, dreifache Allee von hohen Tamarindenbäumen zieht sich längs desselben bis an den Wallgraben des Fortes hin. Ein angenehmerer Spaziergang in der Hitze des Tages lässt sich nicht denken; dessenungeachtet macht aber Niemand Gebrauch davon.
Nahe beim Gouvernement ist das, mit grossen Kosten aus Backsteinen gebaute, im Jahr 1839 vollendete Controlgebäude, in welchem verschiedene Verwaltungs-Bureaux sich befinden. Von seinem, mit einem Uhrwerk versehenen Thurme geniesst man eine herrliche Aussicht über die ganze Stadt und die umliegenden Pflanzungen. In zwei anderen Gebäuden, welche der Schreibekunst gewidmet sind, befinden sich die Bureaux der Justiz und Waisenverwaltung.
Paramaribo hat eine lutherische und eine reformirte Kirche; beide sind hübsch und einfach, werden aber, was die gefällige Bauart betrifft, von der im Jahr 1838 vollendeten hochdeutschen Judensynagoge bei weitem übertroffen. Die katholische Kirche ist klein, doch sehr zierlich; das einfache Herrnhuter Bethaus ist mit Palmen und tropischen Gewächsen umgeben. Zwei Freimaurerlogen, ein Komödienhaus, die portugiesische Judensynagoge, das Hospital und das Zoll- oder Waaghaus mögen die Liste der öffentlichen Gebäude beschliessen.
Das Innere der Privathäuser ist fast bei allen angesehenen Familien auf gleiche Weise angeordnet. Grosse Spiegel, Kupferstiche, Hänge- und Wandlampen, und unter den Möbeln ein mit Glas, Silber und Porzellan überladenes Sideboart werden beinahe in jedem Hause angetroffen. In jedem Schlafzimmer steht ein grosses, mit Gaze umhangenes, aus kostbarem, inländischem Holze schön gedrechseltes Bett, Ledikant, auf dem Berge von Kissen aufgestapelt sind. Dieses Bett ist blos ein Prunkstück, das wenig benützt wird, weil man der Kühlung wegen auf Matten und Matrazen schläft, die den Tag über verborgen werden. Häufig bedient man sich auch feiner, baumwollener Hängematten.
Die Zimmer werden reinlich gehalten und häufig mit Orangensaft gewaschen, was bei dem vielen Ungeziefer, das sich in den Ritzen verbirgt, auch sehr nöthig ist.
Beinahe alle Häuser haben Brunnen, deren Wasser aber in den langen Trockenzeiten zuweilen brack schmeckt; nur grössere Gebäude haben Wasserbehälter.
Eigentliche Spaziergänge, oder für den öffentlichen Gebrauch eingerichtete Gärten hat die Stadt nicht; doch bieten ihre Umgebungen, die unter den schönsten Pflanzen einer tropischen Vegetation versteckten Landhäuser, prächtige Partien dar. In der Stadt befinden sich zwei Kirchhöfe und sechs ausserhalb derselben, also im Ganzen acht, die einer gleichen Anzahl von Apotheken entsprechen, somit hinsichtlich der Bevölkerung kein vortheilhaftes Zeugniss für die Gesundheit Paramaribos geben[ [2]. Der Markt ist unter einer Reihe von Tamarindenbäumen an der Wasserseite, wo man Fische, die an üblem Geruch mit den sie verkaufenden und schwitzenden Negerinnen wetteifern, nebst allen inländischen Lebensmitteln zum Verkaufe vorfindet. Lebensmittel und andere Waaren werden auch sonst noch an vielen Plätzen der Stadt verkauft. Alles wird unter beständigem Geschnatter feilgeboten, und der Fremdling sieht hier unter Anderem auch Leckereien, die man im Vaterlande mit Abscheu zurückweisen würde.