Die Drogen, die im Innern gesammelt werden, werden den New Yorker Häusern gewöhnlich von Kaufleuten aus dem Westen und Süden angeboten, die ihre Vorräte direkt von Farmern oder Sammlern einheimischer Drogen erhalten. Es gibt in New York keine Auktionsverkäufe, wie wir sie in London ([s. d.]) und Amsterdam ([s. d.]) finden. Alles erhält man durch Privatverkauf. Handelsjournale (trade journals) und Preislisten, die von den größten Dealers herausgegeben werden, machen die Jobber (Makler) mit den Marktpreisen bekannt.
Der nordamerikanische Großhandel bezeichnet die Produkte vielfach anders als der europäische. So werden z. B. die Harzprodukte der Coniferen (besonders Pinus australis) summarisch als Naval stores bezeichnet, und man unterscheidet:
Rosin (unser Colophonium), Tar (Teer), Terpentine and pitch (das abgekratzte Harz der Wunden), Terpentine, spirits (unser Terpentinöl). Keine Drogen erreichen derartige Produktionsziffern (siehe auch Kapitel [Pharmakodiakosmie]), wie folgendes Summary of exports of Naval stores for the fiscal years 1903–1906 zeigt:
| 1903 | 1904 | 1905 | 1906 | ||
| Rosin | barrels | 2396498 | 2585108 | 2310275 | 2438556 |
| Tar | „ | 18622 | 15644 | 20291 | 16821 |
| Terpentine and pitch | „ | 15972 | 13177 | 24971 | 14232 |
| Terpentine and spirits | gallons | 16378787 | 17202808 | 15894813 | 15891253 |
Amsterdam ([Fig. 266] u. [267]) ist jetzt Zentrum des Chinarindenhandels. Während es 1892 noch gerade London die Wage hielt, importierte es schon 1901 über das dreifache «Kinabast». Der Aufschwung datiert vom Jahre 1886, von der Gründung der «Kina-Etablissement» durch BRIEGLEB, sowie von den etwa gleichzeitig eingeführten vierzehntägigen Auktionen (Veilingen), die allmählich die Particulieren planter in Java vom Londoner Markte abzogen. Viel trug auch die neue Art des «Musternehmens» — die Abnehmer dürfen jetzt selbst Muster erheben — und der vorzüglich geordnete zentralisierte Betrieb des Ganzen zum Aufschwunge Amsterdams als Chinamarkt bei. Schon 1891 schloß sich denn auch die Gouvernements Kina-Onderneming dem Kina-Etablissement an.
Man unterscheidet den in Kisten zugeführten «Pharmazeutischen Bast» ([Fig. 269]) in Röhren (pijpen) oder snitsels — Drogistenrinde — und den zerkleinerten oder gepulverten (gruis) «Fabrieksbast» ([Fig. 268]) (Fabrikrinde) in Säcken oder Ballen.
Fig. 271.
Im Hafen von Hamburg. Löschen der Ladung auf die Leichter und Schuten.
Die Chinarinde wird in besonderen Räumen ausgestellt, Säcke und Kisten getrennt, meist einander gegenüber, beide geöffnet, so daß man den Inhalt besichtigen kann. Nummern und Zeichen korrespondieren mit den Auktionslisten. Jeder Posten (Opslag), der das Produkt derselben Ernte einer Plantage umfaßt, erhält eine «Opslag-Nummer». Er besteht natürlich aus einer sehr wechselnden Zahl von Kisten oder Ballen. Jeder Posten wird analysiert und in der Auktionsliste der Gehalt an (schwefelsaurem) Chinin und Gesamtalkaloid — bisweilen auch an Cinchonidin, Chinidin, Cinchonin und amorph. Alkaloid — angegeben. Die Analyse wird im Laboratorium des Etablissements an einem Durchschnittsmuster ausgeführt, das man in der Weise erhält, daß man mittelst eines eigenartigen Instrumentes aus der Mitte der Ballen Proben entnimmt ([Taf. XXVIII]), diese mischt, in einer Mühle mahlt ([Fig. 270]) und das Mahlprodukt in Kisten, die auch wieder die Opslag-Nummer usw. tragen, in der Monster-Kamer aufhebt ([Taf. XXIX]). Aus diesen werden Muster von 100 g an die Interessenten in mit Siegel (K. E.) versehenen Papierbeuteln abgegeben, die aufgedruckt enthalten: die Opslag-Nummer, die Zahl der Ballen oder Kisten, die der Posten umfaßt, die Bezeichnung der Art (z. B. Java Kinabast, Indisch merk, Succirubra Wortelbast) und Herkunft (z. B. Tangkoeban Praoe), den Tag der Auktion und die Kaveling-Nummer, sowie die Angabe, aus wieviel Ballen die Probe das Durchschnittsmuster darstellt. Jetzt kann jeder Interessent das Durchschnittsmuster einer Kontrollanalyse unterwerfen lassen — wenn er will. Über das Unit vgl. [S. 179].
Jetzt importiert Amsterdam auch Chinin, denn seit 1894 fabriziert die «Bandoengsche Kininefabriek» in Bandoeng (Java) Chininsulfat. Die Produktion betrug pro 1901 schon 30000 kg, pro 1906 55000 kg. Sie kann auf 100000 kg gesteigert werden.