GEWIDMET
[VORREDE.]
Gottfried von Neifen erscheint in den jahren 1234 bis 1255 in urkunden die Stälins wirtembergische geschichte 2,582-585 verzeichnet. als dichter wird er genannt von dem Taler MS. 2,100b, der Nîfer lobt die frouwen sîn, ir rœselehtez mündelîn; von Friedrich von Sunnenburg 24 J, wil er von mir hân rîchez lop, der sich gein mir alsô versiht, des riet mir der von Nîfe und ander guote meister niht; in einer erzählung in den altdeutschen blättern 1, 49, kund ich als der von Nîfen den vrowen singen süezen sanc, des sagten si mir billich danc; von Haug von Trimberg im Renner s. 20 f., gîtikeit luoder und unkiusche, muotwille unde unzemlich tiusche habent mangen hern alsô besezzen daz sie der wîs gar hânt vergezzen in der hie vor edele herren sungen, von Botenloube und von Môrungen, von Linburc und von Windesbecke, von Nîfe, Wildôn und Brûnecke.
Die lieder des dichters, die sich in einem engen kreise der gedanken und ausdrücke bewegen, aber durch anmut und zierliche reimspiele auszeichnen, sind uns nicht vollständig erhalten.
C. die Pariser handschrift, von der ich ausser den abdrücken und angaben Bodmers Beneckes und Hagens eine abschrift von Heinrich Hoffmann gebraucht habe, enthält hundert und neunzig strophen, auf den neun blättern 33 bis 41; aber nach dem 34n blatte ist ein blatt ausgeschnitten, und auch ohne äusseren verlust ist diese handschrift in mehreren liedern unvollständig. nach dem schlusse von neunzehn liedern (nach 23, 7. 24, 34. 27, 14. 32, 13. 33, 32. 34, 25. 36, 3. 38, 3. 25. 42, 20. 34. 43, 25. 44, 19. 46, 16. 30. 47, 9. 48, 8. 49, 13. 52, 6) lässt sie leeren raum, wodurch allerdings wahrscheinlich wird was herr von der Hagen (4 s. 83) annimmt, dass jedes dieser lieder ursprünglich fünf strophen hatte. aus fünf strophen, wie die altfranzösischen lyriker am häufigsten und auch deutsche, baut Gottfried von Neifen sonst seine lieder (Wackernagel altfr. lieder s. 174. 224). die vierstrophigen 11, 6 und 27, 15 haben besondern bau. von den sechs strophen 29, 36-31, 26 bezieht sich die letzte auf die zweite (30, 12) und mag eine erweiterung des liedes sein. das vierstrophige lied 34, 26 ist, wie ich in der anmerkung gezeigt habe, in unordnung und schwerlich vollständig. sicher unvollständig sind die lieder 45, 8 und 21. nach 40, 24 ist in C kein raum gelassen, aber auch nicht nach 29, 24, wo die Berner handschrift eine fünfte strophe hinzufügt. ob die beiden letzten lieder vollständig sind lässt sich nicht bestimmen.
i. vor der im j. 1336 vollendeten erweiterung des wolframischen Parzivals von Claus Wisse und Philipp Colin stehen auf bl. 115b der Donaueschinger handschrift drei strophen, die Ludwig Uhland im zweiten jahrgange von Heinrich Schreibers taschenbuche für geschichte und alterthum in Süddeutschland (1840) s. 262 mitgetheilt hat. aus der römischen handschrift (k) dieses Parzivals giebt diese strophen herr von der Hagen in seinen minnesingern 3 s. 468a.
p. eine handschrift (n. 260) der Berner stadtbibliothek, aus der zweiten hälfte des vierzehnten jahrhunderts (Wackernagel in der zeitschrift für d. alt. 4,479), enthält fünf strophen, abgedruckt in Graffs Diutiska 2, 262 ff.
Die beiden lieder Ez fuor ein büttenære (44, 20) und Von Walhen fuor ein pilgerîn (45, 8) spricht herr von Liliencron (zeitschr. für d. alt. 6, 93) dem Neifer ab. ich kann diese meinung nicht theilen. es ist nicht ausser acht zu lassen, dass das wie es scheint vollständig erhaltene erste dieser beiden lieder aus fünf strophen besteht, und ich weiss nicht nach welcher regel man bestimmen könnte was dem dichter in volksmässigeren liedern zuzutrauen ist. gleich das folgende lied Uns jungen mannen sanfte mac finde ich im tone von jenen beiden nicht sehr verschieden: wäre es ganz erhalten, so würde es sicherlich auch durch leichtfertigen scherz ähnlich sein: und dass dieses lied dem Neifer gehört lehren anspielungen in anderen liedern (4, 13. 5, 13. 32, 12). eher könnte man vermuten dass die einzelne strophe mit der die sammlung in der Pariser handschrift schliesst, Diu nahtegal diu sanc sô wol, ein liedchen des zwölften jahrhunderts, dessen ton man fühlt, und nicht von Gottfried von Neifen sei. aber ich misstraue diesem gefühle. wäre das volksmässige lied Under der linden nicht als ein gedicht Walthers von der Vogelweide hinreichend bezeugt, niemand würde es ihm, trotz seiner vielseitigkeit, zuschreiben.
Leipzig am 27n juli 1851.