Nachdem sie diese Worte gerufen hatte, lief sie, ohne auf die andern Kinder zu achten, dem brennenden Hause zu. Sie lief gerade durch alle Pflanzen und mitten durch den Funkenregen hindurch. Die Großmutter folgte ihr. Die Magd, die bei den Kindern war, konnte dieselben nicht zurückhalten, sie liefen auch zu dem Feuer, und die Magd lief mit ihnen.

Als die Mutter bei der Feuerstätte angekommen war, war es dort bei weitem nicht so gefahrlos für die Zimmer, als sie gedacht hatte. Der Dachstuhl war beinahe zusammengebrannt, wenigstens war er schon zusammengestürzt. Ein furchtbarer Gluthaufen, der die Luft vor Hitze zittern machte, lag auf der Decke der Zimmer. Von dieser Glut trennte nur eine Lage Estrich die Tragbalken, sie konnten sich erhitzen, brennen, und die Decke konnte einstürzen. Die Männer mit den Feuerhaken hatten außerordentlich gearbeitet. Einen großen Teil der Sparren hatten sie herabgerissen, und die Trümmer lagen um das Haus und brannten und rauchten; aber ein anderer Teil hing noch oben und konnte aus der Verbindung nicht gerissen werden. Die Nacht war mittlerweile eingebrochen, und in der düstern Finsternis war das Leuchten des Feuers und des Rauches, das Glühen der vorragenden Balken und das Glänzen der umstehenden Bäume doppelt unheimlich.

Die Mutter lief gerades Weges gegen die Tür zu, von welcher die Treppe gegen das Kinderzimmer emporführte. Sie wollte in das Zimmer gelangen, dort an der Tür zu dem Gange den Schlüssel umdrehen und den Knaben befreien. Aber als sie gegen die Tür kam, lag ein Haufen herabgerissener Balken vor derselben und brannte.

Es war unmöglich, durchzukommen.

»Reißt das Holz weg, Sigismund ist in dem Hause«, schrie sie zu den Männern, die da waren.

Die Männer verstanden sie. Sie näherten sich dem Feuerhaufen, schlugen die Haken ein und suchten die Balken wegzubringen. Aber es war vergeblich. Die Balken waren teils noch in Verbindung, teils hatten sich andere herabgestürzte mit ihnen verschlungen, so daß die angestrengteste Kraft aller Männer nicht hinreichte, das zusammenhängende Gewirr eher hinwegzubringen, als bis es mehr ausgebrannt wäre, und die Verbindungen sich gelöst hätten.

»Das geht nicht,« rief die Mutter, »wir müssen durch die hintere Treppe in Euer Zimmer hinauf, Großmutter, um von demselben in den Gang zu kommen. Wo habt Ihr die Schlüssel?«

»Ich weiß es nicht, ich werde sie in meiner Armtasche haben, die ich vielleicht in den Glashäusern niedergelegt habe,« antwortete die Großmutter, »ich werde sie gleich holen.«

»Um des Himmels willen, warum habt Ihr zugesperrt?« rief die Mutter.

»Der Diebe wegen«, rief die Großmutter und eilte, von einem Knechte begleitet davon.