Dasselbe war so heiter und freundlich, wie es immer gewesen war.

Am anderen Morgen nach dem Frühmahle ging mein Gastfreund eine Zeit mit Mathilden im Garten spazieren, dann kam er in mein Zimmer und sagte zu mir: »Ihr habt Recht, und es ist sehr gut von euch, daß ihr das, was euren hiesigen Freunden lieb und angenehm ist, euren Eltern und euren Angehörigen sagen wollt.«

Ich erwiderte nichts, errötete und verneigte mich sehr ehrerbietig.

Ich erklärte im Laufe des Vormittages, daß ich, sobald es nur immer möglich wäre, abreisen müßte. Man stellte mir Pferde bis zur nächsten Post zur Verfügung, und nachdem ich mein kleines Gepäck geordnet hatte, beschloß ich, noch vor dem Mittage die Reise anzutreten. Man ließ es zu. Ich nahm Abschied. Die klaren, heiteren Augen meines Gastfreundes begleiteten mich, als ich von ihm hinwegging. Mathilde war sanft und gütig, Natalie stand in der Vertiefung eines Fensters, ich ging zu ihr hin und sagte leise: »Liebe, liebe Natalie, lebet wohl.«

»Mein lieber, teurer Freund, lebet wohl«, antwortete sie ebenfalls leise, und wir reichten uns die Hände.

Nach einem Augenblicke verabschiedete ich mich auch von den anderen, die, da sie wußten, daß ich abreisen werde, in das Gesellschaftszimmer gekommen waren. Ich schüttelte Eustach und Roland die Hände und empfing Gustavs Kuß, welche innigere Art des Bewillkommens und Scheidens schon seit längerer Zeit zwischen uns üblich geworden war und welche mir heute so besonders wichtig wurde.

Hierauf ging ich die Treppe hinab und bestieg den Wagen.

Mathildens Pferde brachten mich auf die nächste Post. Dort sendete ich sie zurück und nahm andere in der Richtung nach dem Kargrat. Ich gönnte mir wenig Ruhe. Als ich dort angekommen war, erklärte ich meinen Leuten, daß Umstände eingetreten wären, welche die Fortsetzung der heurigen Arbeiten nicht erlaubten. Ich entließ sie also, händigte ihnen aber den Lohn ein, den sie bekommen hätten, wenn sie mir in der ganzen vertragsmäßigen Zeit gedient hätten. Sie waren hierüber zufrieden. Der Jäger und Zitherspieler war früher, ehe ich gekommen war, fortgegangen. Wohin er sich begeben habe, wußten die Leute selber nicht. Das Verhältnis mit meinen Arbeitern zu ordnen, war mir das Wichtigste auf meinem Arbeitsplatze gewesen; deshalb war ich hingereist. Ich hatte ihnen vor meinem Besuche im Asperhofe gesagt, daß ich bald wieder kommen werde, hatte ihnen während meiner Abwesenheit Arbeit aufgetragen und hatte ihnen Arbeit nach meiner Wiederkunft in Aussicht gestellt. Dieses mußte nun umgeändert werden. Da es geschehen war, gab ich meine Sachen im Kargrat so in Verwahrung, daß sie gesichert waren, und reiste sogleich wieder ab. Ich hatte die Pferde, die ich von dem letzten größeren Orte in das Kargrat mitgenommen hatte, bei mir behalten und fuhr jetzt mit ihnen wieder fort. Auf dem ersten Postamte verlangte ich eigene Postpferde und schlug die Richtung zu meinen Eltern ein.

Als ich dort angekommen war, machte mein unvermutetes Erscheinen beinahe den Eindruck des Erstaunens. Alle Ereignisse waren so schnell gekommen, daß, da einmal meine Abreise zu meinen Eltern festgesetzt war, ein Brief, der sie von meiner Ankunft benachrichtigt hätte, wahrscheinlich nicht früher zu ihnen gekommen wäre als ich selbst. Sie konnten sich daher nicht erklären, warum ich ohne vorhergegangene Benachrichtigung nun im Sommer statt im Herbste komme. Ich sagte ihnen auf ihre Frage, daß allerdings ein Grund zu meiner jetzigen Heimreise vorhanden sei, aber keineswegs ein unangenehmer, daß ich in Ungeduld so schnell abgereist sei und daß ich ihnen eine frühere Nachricht von meiner Ankunft nicht habe zugeben lassen können. Hierauf waren sie beruhigt und, wie es ihre Art war, fragten sie mich nun nicht nach meinem Grunde.

Am andern Morgen, ehe der Vater in die Stadt ging, begab ich mich zu ihm in das Bücherzimmer und sagte ihm, daß ich zu Natalien, der Tochter der Freundin meines Gastfreundes, schon seit langer Zeit her eine Zuneigung gefaßt habe, daß diese Neigung in mir verborgen geblieben und daß es mein Vorsatz gewesen sei, sie, wenn sie ohne Aussicht wäre, zu unterdrücken, ohne daß ich je zu irgend jemandem ein Wort darüber sagte. Nun habe aber Natalie auch mich ihres Anteils nicht für unwert gehalten, ich habe davon nichts gewußt, bis ein Zufall, da wir von anderen, weit entlegenen Dingen sprachen, die gegenseitig unbekannte Stimmung zu Tage brachte. Da haben wir nun einen Bund geschlossen, daß wir uns unsere Neigung bewahren wollen, so lange wir leben, und daß wir sie in dieser Art nie einem anderen Wesen schenken würden. Natalie habe verlangt, und mein Sinn stimmte diesem Verlangen vollkommen bei, daß wir unseren Angehörigen diese Tatsache mitteilen sollten, damit wir uns unseres Gutes durch ihre Zustimmung erfreuen oder, wenn von einem Teile die Billigung versagt würde, die Neigung zwar unverändert erhalten, aber den persönlichen Umgang aufheben. Da nun Nataliens Angehörige nichts eingewendet haben, so sei ich hier, um die Sache meinen Eltern zu sagen, und ihm sage ich sie zuerst, der Mutter würde ich sie später mitteilen.