Nun sprach sie noch einige Worte zu dem Gärtner und seiner Frau und zu dem Meier, worauf die Leute ein wenig zurück traten.

»Sei gut, mein Kind«, sagte sie zu Gustav, indem sie ihm ein Kreuz mit Daumen und Zeigefinger auf die Stirne machte und ihn auf dieselbe küßte. Der Knabe hielt ihre Hand fest umschlungen und küßte sie. Ich sah in seinen großen schwarzen Augen, die in Tränen schwammen, daß er sich gerne an ihren Hals würfe; aber die Scham, die einen Bestandteil seines Wesens machte, mochte ihn zurück halten.

»Bleibe lieb, Natalie«, sagte mein Gastfreund.

Das Mädchen hätte bald die dargereichte Hand geküßt, wenn er es zugelassen hätte.

»Teurer Gustav, habe noch einmal Dank«, sagte Mathilde zu meinem Gastfreunde. Sie hatte noch mehr sagen wollen; aber es brachen Tränen aus ihren Augen. Sie nahm ein feines, weißes Tuch und drückte es fest gegen diese Augen, aus denen sie heftig weinte.

Mein Gastfreund stand da und hielt die Augen ruhig; aber es fielen
Tränen aus denselben herab.

»Reise recht glücklich, Mathilde«, sagte er endlich, »und wenn bei deinem Aufenthalte bei uns etwas gefehlt hat, so rechne es nicht unserer Schuld an.«

Sie tat das Tuch von den Augen, die noch fortweinten, deutete auf Gustav und sagte: »Meine größte Schuld steht da, eine Schuld, welche ich wohl nie werde tilgen können.«

»Sie ist nicht auf Tilgung entstanden«, erwiderte mein Gastfreund. »Rede nicht davon, Mathilde, wenn etwas Gutes geschieht, so geschieht es recht gerne.«

Sie hielten sich noch einen Augenblick bei den Händen, während ein leichtes Morgenlüftchen einige Blätter der abgeblühten Rosen zu ihren Füßen wehte.