Paris, den 11. Juli 1801.
Lieber Oehlenschläger!
Ich lebe, meine Frau und meine Kinder leben; ich liebe Sie, und werde Sie immer lieben.
Ich habe Ihren freundlichen lieben Brief mit den beigelegten Liedern erhalten; aber ich habe Ihnen seitdem zwei Mal geschrieben. Dies ist das dritte Mal.
Ich habe noch kein Exemplar vom ersten Theile, oder meinen Oden erhalten; ich wünschte ein solches doch sehr. Ich kann Brummer nicht begreifen. Er scheint mit dem Absatze zufrieden, wünscht mehr Manuscript, und macht mir doch die Fortsetzung unmöglich, indem er mir den Anfang nicht sendet. Wie soll ich die Noten ausarbeiten, wenn ich keinen Text habe?
Ich habe unaufhörlich, seitdem ich Kopenhagen verließ, bis vor wenigen Tagen unbeschreiblich schlecht gelebt. Mein geliebtes Weib war beständig bettlägerig, meine Kinder ab und zu kränkelnd und ich selbst gefährlich krank. In Bezug auf meine Existenz habe ich unersetzliche Verluste erlitten. Erst jetzt bin ich im Stande zu arbeiten.
Ich mußte vom quai Voltaire wegen Mangel an frischer Luft nach dem hôtel de l'Elisée Bourbon, Rue du Faubourg Nr. 66. ziehen, wo ich nun schön, bequem und so gut, wie auf dem Lande, auf den elyseischen Feldern, wohne.
Meiner Frau geht es etwas besser, und ich bin also — viel munterer. Aber —
Dania! quid merui? quo te, mea patria, laesi? Noch immer seufze ich vergebens nach eigentlichen Nachrichten. Außer einigen kleinen Briefen habe ich keine Antwort auf meine letzten zwölf Schreiben erhalten.
Auch Sie, Oehlenschläger! ertheilen mir sparsam Ihre Grüße.