Das Erste, was ich hier that, war, in der Zeitung mich nach einer Gelegenheit nach Kopenhagen umzusehen. Es gab deren zwei: die eine mit dem Delphin, die andere mit dem Jungen Lars. Als Poet versuchte ich natürlich zuerst auf den Delphin zu kommen, da ich von Arion her weiß, daß er es mit den Dichtern ehrlich meint. Aber der war erst in drei Wochen segelfertig. Nun mußte ich mich nach dem Jungen Lars umsehen; aber Lars hatte nicht mehr Geduld gehabt, in Lübeck zu bleiben, sondern war nach Travemünde hinausgeschwommen, und spähte von dort auf eine günstige Gelegenheit zum Weiterreisen. Nun schickte ich zum Schiffer, Herrn Mörck, und er antwortete, ich würde willkommen sein.


Heimkehr.

Vorgestern morgen legte das Schiff bei, und ich ließ mich an die Treppe der Zollbude rudern. Es hat etwas viel Anziehenderes, zur See, als zu Lande nach Hause zu kommen. Zu Lande gewöhnt man sich nach und nach an das Vaterland; hier aber kommt es auf einmal. Die kräftigen Flüche der lieben Matrosen klangen mir süßer im Ohre, als Nachtigallengesang; und ich hätte ihnen beinahe Geld gegeben, um noch mehr zu fluchen. Als ich am Wirthshause bei der Zollbude stand, überlegte ich, ob ich gleich nach Hause eilen sollte, wie ich war, oder ob es besser sei, erst einen Boten vorauszusenden. Dies schien mir zuletzt doch dass Beste zu sein. Ich schickte also Jemand fort, ließ mich rasiren und kleidete mich um. Welch wunderbares Gefühl, hier in einem fremden Wirthshause, in einem fremden Zimmer zu stehen, was ich so oft gethan; aber jetzt nun zum letzten Male, und so nahe meinem eigenen Heerde. Der Bote kam zurück, berichtete mir von der Freude der Geliebten, und nun eilte ich heim.

Wie soll ich mein Entzücken beschreiben, als ich sie Alle weinend und schluchzend mir Kußhände durchs Fenster zuwerfen sah. Sie kamen mir auf der Treppe entgegen! Alle drei Kinder waren ein gutes Stück gewachsen, und hatten wegen des Vaters Rückkehr neue Kleider an. William erkannte mich gleich an meinem Portrait, das er in meiner Abwesenheit so oft betrachtet hatte; ihm war vor dem halbfremden Vater gar nicht bange, sondern er klammerte sich neugierig und vertrauensvoll und freundlich an mich an. Lotte stand sprachlos und weinte und küßte meine Hände; der kleine Johannes starrte zu seinem Vater schweigend mit schweren Thränen in den ernsten Augen empor. Meine treue Christiane wußte nicht, wo sie vor Freude hin sollte. Seligere Augenblicke giebt es auf Erden nicht; sie sind eben so süß und belebend, wie der Abschied schmerzlich ist.


Fußnoten:

[1] Dieser Sprachlehrer war Depping, der später die „Geschichte der Normannen“ geschrieben hat.

[2] Als ein Meister dieser Kunst zeigte sich viele Jahre später unser Bournonville.

[3] Diese „sehr schöne Oper“ war sein göttlicher Fidelio, den ich erst einige Jahre darauf kennen und als ein Werk schätzen lernte, das neben Mozart's Meisterwerken steht. Zweimal sandte der große Künstler einen Freund mit der Aufforderung zu mir, ihm ein Singspiel zu schreiben — und ich ließ es sein! Hätte ich es gethan, und es wäre mir wie Ludlam's Höhle und die Räuberburg geglückt, und Beethoven hätte eine Oper, wie Fidelio, dazu geschrieben, — welch ein Triumph! Eine edlere Rache hätte mir nicht über den zwar großen Künstler aber mir ungetreuen Weyse werden können, der mit Baggesen befreundet wurde, gerade als dieser Ludlam's Höhle am allerärgsten herunterriß, Verse schrieb, um Baggesen's Räthsel zu lösen, und dann stets verwarf, was ich ihm zum componiren geben wollte.