Tod des Bischofs Münter.

Wenige Jahre darauf kam Ida eines Abends zu uns herunter und sagte, daß ein apoplectischer Anfall ihren Vater getroffen habe. Ich eilte hinauf, nahm ihn in meine Arme, er war noch bei Bewußtsein, wurde zu Bett gebracht, starb aber in der folgenden Nacht.

Er war in der letzten Zeit nicht auf Rosen gewandelt; mit bewundernswürdiger Geduld aber hatte er ein schweres Hauskreuz getragen. Seine edle Gattin — mit ebenso viel Verstand, wie Gemüth begabt — verfiel in eine tiefe Melancholie, die bis zu ihrem Tode währte.

Nach Münters Tode wurde P. E. Müller Bischof, und ich blieb in dem Bischofshause wohnen. Man wünschte eine Büste von dem Dahingegangenen zu besitzen; Freund nahm eine Todtenmaske ab, und mußte sich nun mit einem Portrait von Hornemann und seinem eigenen Gedächtnisse helfen. Alles ging recht gut, bis auf die Augen. Da gab ihm ein Freund den Rath: „Die Augen“, sagte er, „sind ja noch da, frisch und klar; Sie brauchen Sie nur zu kopiren“. Das war ein Räthsel! Die Augen des todten Münter lebten noch! Aber der Freund hatte ganz recht. Er meinte die Augen von Frau Friederike Brun, die denen ihres seligen Bruders auf ein Haar glichen. Freund brachte die nach der Schwester modellirten Augen an der Büste des Bruders an, und Keiner zweifelte, daß es seine eigenen seien. Die sehr ähnliche in Marmor ausgeführte Büste wurde der Universität geschenkt, und im Consistorium aufgestellt.


Ein sonderbarer Besuch.

Ein Bekannter des Bischofs Münter machte mir in diesen Jahren einmal einen Besuch. Es war ein großer, stattlicher Schwede, der mir beim Eintritt seinen Namen nannte, den ich aber nicht verstand. Da ich mich nun genirte, ihn wieder darnach zu fragen, hoffte ich ihn im Laufe des Gesprächs nochmals zu hören, oder ihn durch Eins oder das Andere errathen zu können. Er sagte, daß er gekommen sei, um mich zu fragen, was ich von dem Stoffe zu einem Vaudeville halte, das er zu schreiben gedenke. Er erzählte es mir; es war recht hübsch, und ich hielt daran fest und dachte: es ist also ein Vaudevillendichter. Darauf sprach er von Münter, als von einem alten Freunde: „ich muß Ihnen sagen“, fuhr er fort, „daß ich auch Theologie studirt und die Offenbarung Johannis übersetzt habe“. — Ein Vaudevillendichter, dachte ich nun, der auch Theolog ist. „Münter ist auch Freimaurer“, fuhr er fort, „all seine Freimaurerei hat er von mir gelernt, denn ich bin Meister vom Stuhl“. Jetzt rechnete ich im Kopfe weiter zusammen: Vaudevillendichter, Theolog, Meister vom Stuhl. — Nun sprach er vom König Karl Johann, den er sehr lobte, und sagte: „Ich kenne ihn gut! Ich habe manches Glas mit ihm geleert“. Ich sagte: Vaudevillendichter, Theolog, Meister vom Stuhle, und ein Freund von Karl Johann. Er fuhr fort: „Hier in Dänemark tragen die Leute nicht ihre Orden; morgen gehe ich in die Kirche, da lege ich die meinigen an“. „„Das können Sie auch sehr gut““, antwortete ich, und er fuhr fort: „Ich habe sie alle mit“! Ich sagte: Vaudevillendichter, Theolog, Meister vom Stuhl, Karl Johann's intimer Freund, Seraphimritter. Endlich sprach der Fremde von seinem Sohne, den er daran erinnert hatte, daß ihr Stammvater zu den Ersten gehört habe, welche bei der Eroberung Jerusalems die Mauern dieser Stadt bestiegen. Nun wurde mir klar, daß es der Graf von Saltza sein müsse. Und der war es auch.

Als wir nun bekannt miteinander geworden waren, führte er mich zu seiner Familie nach dem Hôtel du Nord. Dort traf ich den schönen alten Grafen de la Gardie, dessen Bekanntschaft ich in Ramlöse gemacht hatte, und der mir erzählte, daß sein Ururgroßvater bei der Belagerung Kopenhagens Einer der Ersten auf dem Walle gewesen sei. Es war auch ein Baron Bannér dort, von dem Saltza scherzend erzählte, daß er von einem Koch abstamme, der bei einer wichtigen Gelegenheit den Seinigen dadurch den Sieg verschafft hatte, daß er seine Schürze und den Küchenbesen als Banner benutzte, und so die Fliehenden zurückrief. Später nahm Saltza mich in sein Zimmer, zeigte mir verschiedene fromme Bücher, und äußerte religiöse Ansichten, in die ich mich nicht weiter mit ihm einließ.