Der 6. August.

»Junker Victor lässt Euch grüssen,
Mit dem Wunsch' an Euer Herz:
Ihm noch, tröstlich, zu versüssen
Bald'ger Trennung-Stunde Schmerz!

Hat am Abend noch zu sorgen,
Im Geschäfte für den Herrn:
Aber schon der nächste Morgen
Findet ihn — dem Hause fern.

Fräulein möge sich bequemen:
Von dem Treuen noch ein Wort,
Vor der Reise zu vernehmen,
Dort, am ihr bewussten Ort'!

Heute, nach vollbrachtem Mahle,
Bei der Mittagsonne Strahl',
Harret Victor Heil im Thale;
Und — vielleicht — zum letzten Mal!«

Diese trauervolle Kunde,
Nicht der Liebe Träumen hold:
Kam der Braut aus Boten-Munde,
Nach dem Schein, von Segewold.


Sinnend ob des Wort's Bedeuten,
Sprach sie dennoch schnell gefasst:
»Wenn sie heut' zu Mittag läuten,
Bin ich meines Trauten Gast.« —


Und der Bote zieht von dannen,
Eilig wie Verhängnissflug:
Seinem Orte zu, von wannen
Ihn der Hölle Dämon trug.