»Ja Herr, ja Herr, Brod und Kartoffeln und auch noch Schnaps, das sind gute Dinge. Die Carousselleute meinten das auch, etwas Anderes haben arme Menschen nicht zu verzehren.«

»Sie mögen das ja ganz gut gemeint haben,« begütigte Dr. Schlüter, »aber wer sollte denn nach der Kranken sehen, warum brachten Sie sie nicht in ein Krankenhaus?«

»Wie soll unsereiner das anfangen, wir sind hier nicht unterstützungs- und heimathberechtigt,« warf das junge Mädchen ein.

»Mutter hätte das auch nicht gethan,« erklärte der Mann zuletzt energisch.

»Nun kurz und gut, es ist nicht mehr zu ändern, und ich will Ihnen erzählen, was daraus geworden ist,« sagte der Stationsarzt. »Die Vorräthe haben die Ratten, Fäulniß und Schimmel vertilgt, den Branntwein mag die Frau selbst getrunken haben. Dann wurde sie schwächer und schwächer, hatte fürchterliche Schmerzen und den brennendsten Durst, den Sie sich denken können.

Kein Mensch brachte ihr einen Tropfen Wasser, niemand sorgte für ihre Reinlichkeit, das Ungeziefer kam und quälte sie auf ihrem nassen, schmutzigen Stroh, und der Durst, der Fieberdurst, der Durst derer, die das Trinken gewöhnt sind, kam hinzu.

Dann ist sie vielleicht noch einmal wüthend geworden, hat die Menschen und die Welt verflucht und hat zuletzt nichts mehr von sich gewußt. So ist sie verkommen und bei lebendigem Leibe verfault, bis die Polizei sie fand. Die Polizei hatte Erbarmen und brachte sie hierher. Wir konnten ihr aber nicht mehr helfen, es war zu spät, sie starb nach einigen Stunden.«

Er durchblätterte ein großes Buch. »Am elften Juni ist sie Abends zum Todtengräber gebracht. Der wird Ihnen wohl sagen können, wo sie liegt,« sagte er, ohne von dem Buche aufzusehen.

Der Mann und das Mädchen bekreuzten sich.

»Ihr ist ja nun wohl in der Erde,« schluchzte die Tochter.