Unsre weitere Fahrt brachte uns, vorüber an einigen holländischen Forts und Faktoreien, nach Commende, wo wir wieder Anker warfen. Als wir hier einen Tag lagen, auch bereits eine ziemliche Menge Gold empfangen hatten, schickte der holländische Generaldirektor der Guineischen Küste seinen Oberkaufmann mit zwei Assistenten an unser Schiff, um zu protestieren: wir täten ihrem Handel großen Abbruch und hätten doch gar kein Recht, hier Handel zu treiben. Sie ersuchten uns deshalb, uns mit unsern Schiffen zu packen; andernfalls würden sie sich der natürlichen Rechte bedienen und uns mit Gewalt von dannen treiben. Wir hielten hierauf Kriegsrat und gaben den Deputierten zur Antwort, daß wir verpflichtet seien, dem Befehl Sr. Kurfürstlichen Durchlaucht von Brandenburg nachzukommen, und weil sie sich Herren der ganzen Goldküste nannten, wären wir damit einverstanden, daß sie ihren Untertanen den Handel mit unsern Schiffen verböten. Weil sie dies aber nicht tun könnten, wäre es klar, daß es sich um ein freies Gebiet hier handle, in dem jeder seinen Geschäften nachginge, den die Eingeborenen zuließen. Würde im übrigen der Generaldirektor sich seiner Machtmittel bedienen, so müßten wir den Ausgang eben abwarten und würden uns unsre Freiheit mit den Mitteln, die wir selbst besäßen, zu bewahren suchen. Wir behandelten die Deputierten sehr höflich und ließen bei ihrer Abfahrt unser ganzes Geschütz scharf Feuer geben, um ihnen zu zeigen, daß wir stündlich bereit wären, denjenigen, der uns hier vertreiben wollte, gebührend zu empfangen. Am anderen Tag sandten wir beschleunigten Befehl an den »Morian«, sich augenblicklich zu uns zu verfügen. Zugleich mit ihm kam ein Lordenträger (Kaperschiff) aus Seeland, »Grau-Gat« genannt, und legte sich nicht fern von uns. Wir nahmen uns vor, hier 6 Tage zu bleiben und zu warten, was die Holländer tun oder lassen würden, und machten uns zum Kampf bereit.

Während wir dergestalt den Feind erwarteten, kamen am nächsten Tage die erwähnten drei Deputierten wieder und ersuchten uns namens ihres Generaldirektors und der ganzen Guineischen Kompagnie, ihnen behilflich zu sein, den seeländischen Lordenträger, der ungefähr auf Schußweite von uns vor Anker lag, zu nehmen und an das Fort zu bringen. Dagegen erboten sie sich, uns allen etwa daraus entstehenden Schaden zu ersetzen und die Beute zur Hälfte mit uns zu teilen. Wir hielten abermals Kriegsrat und beschlossen aus vielen Gründen, dem Ansuchen der Holländer zu willfahren, lehnten jedoch jeden Anteil an der Beute für uns ab. Damit machten wir uns zur Verfolgung des Kapers fertig. Der aber hatte unser Vorhaben bereits bemerkt und floh. Wir setzten ihm mit beiden Fregatten nach, hatten aber das Unglück, daß uns die große Marssegelrahe brach, was uns zwei Stunden in unsrer Fahrt aufhielt, so daß der Kaper entkam. Wir kehrten also um und ließen durch die Deputierten dem Generaldirektor melden, daß es nicht an unserm guten Willen gelegen hätte, sondern daß der Kaper uns im Segeln überlegen gewesen wäre. Am nächsten Tag sandte uns der Holländer durch einen Schwarzen ein Schreiben, darin er sich für unsere Mühe und Hilfe bedankte, zugleich uns aber auch Vollmacht erteilte, alle holländischen Kaper, wo wir sie antreffen würden, nach Belieben zu nehmen.

Weil uns nun gewisse Geschäfte nach dem Kap Tres Puntas riefen, wandten wir unseren Kurs wieder zurück. Vor Bautry trafen wir ein Schiff der holländischen Handelskompagnie, das »Wappen von Sizilien«, an mit einer Admiralsflagge, weil es den neuen Generaldirektor hierhin überführt hatte. Sein Kommandant war der Kapitän de Voß, der Vater unsres Kapitäns. Ich setzte mich mit dem Bootsmann in die Schaluppe und fuhr an das Schiff, den Kapitän zu sprechen, traf ihn aber nicht an, da er im Fort bei dem Faktoreileiter zu Gast war. So ließ ich mich denn dahin rudern. Der Kaufmann und der Kapitän entsetzten sich sehr, daß wir Brandenburger uns trauten, an ihr Fort zu kommen. Als wir ihnen aber das Schreiben des Generaldirektors zeigten, das uns ermächtigte, an alle holländischen Schiffe zu fahren und ihre Bestallungen zu lesen, ob es nicht etwa Kaperschiffe wären, erstaunten sie noch mehr.

Des Morgens früh gingen wir unter Segel und erreichten nach zwei Tagen das Dorf Attaba. Von hier aus zogen wir unser Schiff an einem Wurfanker an die zwei Meilen stromauf und kamen an ein kleines, im Bau befindliches Dorf, dessen Bewohner durch Krieg vertrieben worden waren. Die Neger brachten uns viele Ananasse und Palmwein zum Kauf. Wir bewirteten sie alle mit Branntwein und machten Männer wie Frauen damit trunken. Um sich dafür dankbar zu erweisen, ließ der Häuptling ein Huhn mit Malgette (Pfeffer) zurichten und lud uns zu Gaste. Wir wurden in ein kleines Lehmhäuschen geführt und setzten uns dort zu Tische. Ein jeder hatte ein paar schwarze Dianen zur Seite. Rundherum war die ganze Hütte von Mohren erfüllt, die übel »dufteten«. Der Häuptling steckte alle Finger in die Schüssel und kostete so die Suppe, zum Zeichen, daß wir keine Vergiftung zu befürchten hätten. Ich war zweifelhaft, ob ich meine Augen an den »anmutigen« Frauengestalten oder den Magen an dem »appetitlichen« Huhn sättigen sollte. Ich hätte fast vergessen, das Merkwürdigste bei diesem Gastmahle zu melden: der ganze Tischapparat nämlich bestand lediglich aus dem — Erdboden. Nach der Mahlzeit ging es wieder an die frische Luft. Zufällig flog ein Raubvogel über uns hinweg. Ich ergriff meine Flinte und schoß ihn im Fluge. Da begannen die Schwarzen, zu schreien und mir Glück zu wünschen, und es hätte nur wenig bedurft, mich für einen Zauberer auszugeben. Mir lag aber an den Glückwünschen herzlich wenig, da sie mir im Hinzudringen beinahe die Kleider vom Leibe rissen.

Wir gingen wieder an Bord und richteten unsern Kurs auf die erste Spitze des Kap Tres Puntas (Dreispitzenkap). Da liegt ein großes, langgestrecktes Dorf Accada, das wir noch am selben Abend besahen. Die Gegend und die ganze Lage gefiel uns so wohl, daß ich bei den Häuptlingen anfragen ließ, ob sie damit einverstanden wären, daß wir hier ein brandenburgisches Fort erbauten. Sie gaben freudig ihre Einwilligung. Ich ersuchte sie deshalb alle, am nächsten Tag auf den »Kurprinzen« zu kommen, und versprach, sie in unsern Booten abholen zu lassen. Am Nachmittage kamen auch acht Häuptlinge zu uns an Bord, mit denen ich zunächst mündlich einen Vertrag abschloß, den ich am nächsten Tag aufsetzen und von ihnen unterzeichnen lassen wollte. Wir bewirteten sie hernach auf Deck unter dem Sonnenzelt, und sie mußten schließlich wegen ihrer Trunkenheit an Seilen in die Fahrzeuge hinabgelassen werden. Sie wollten aber nicht eher vom Schiff, als bis ich sie sämtlich beschenkt hatte.

Obschon wir sehr daran zweifelten, daß an der ganzen Küste von Guinea ein günstigerer Ort zur Erbauung eines Forts zu finden wäre, wollte ich dennoch nichts Schriftliches mit den Eingeborenen von Accada abmachen, bevor ich nicht die Häuptlinge von Tres Puntas, an die ich abgeschickt und mit denen ein Jahr vorher schon Kapitän Blonck einen Vertrag geschlossen hatte, gesprochen und ihr Gebiet gesehen hätte.

Ich fuhr deshalb mit den beiden Kapitänen und Ingenieuren an Land, die Nacht dort zu verbringen und bei Tagesanbruch nach Tres Puntas zu fahren. Die Eingeborenen waren sehr höflich und brachten uns nach Möglichkeit unter. Als wir des Morgens uns erhoben hatten, versprachen sie uns, beim Bau des Forts jede Hilfe zu leisten, worauf wir ihnen einen silbernen Degen zum Pfande ließen, daß wir wiederkommen würden.

Noch in der Ausfahrt trafen wir den Faktoreileiter von Bautry mit einem Boot und vielen kleinen Kanus. Als wir ihn nach dem »Wohin« fragten, gab er zur Antwort: »Ich bin vom Generaldirektor nach Accada gesandt, hier so lange zu wohnen, bis die Faktorei fertiggestellt ist. Der Häuptling von Accada hat mich dazu abgeholt.« Damit fuhr er an Land und ließ auf einem der Häuser die holländische Flagge hissen. Als wir uns so betrogen sahen, fuhren wir ihm nach und verwiesen den Schwarzen ihre Untreue, die uns herzlich gern behalten hätten und uns die Halbinsel zum Bau schenken wollten, wofern wir begehrten, uns neben den Holländern bei ihnen niederzulassen. Weil wir auf dieses Anerbieten nicht eingehen konnten, fuhren wir an unser Schiff. Bei Anbruch der Dunkelheit aber brachen wir wieder nach Tres Puntas auf.

Uns war zwar die Gegend bekannt, in der jene drei Häuptlinge hausten, mit denen Kapitän Blonck seinen Vertrag geschlossen hatte, nicht aber ihre Dorfschaften. So ruderten wir denn beim Morgengrauen an Land, stiegen über hohe Berge, arbeiteten uns durch dichtes Buschwerk hindurch und gelangten endlich in eine weite Ebene, wo wir viele fruchtbare Bäume, jedoch nur eingefallene und verlassene Negerhütten fanden. Wir glaubten, unsere Schaluppe würde uns längs der Küste folgen, sie war aber am Landungsplatz liegengeblieben, weswegen wir vor Durst fast verschmachteten. Die Sonne brannte so heiß, daß wir es nicht eine Stunde mehr hätten aushalten können, wenn nicht Kapitän Blonck von ungefähr eine Quelle in den Felsen entdeckt hätte. Daran erlabten wir uns; trotz aller Bemühungen fanden wir im übrigen jedoch nichts als Verwüstungen. Endlich wurden wir eines hohen Berges gewahr, der eine halbe Meile von uns entfernt lag. Weil die andern uns vor Erschöpfung nicht folgen konnten, machte ich mich mit dem Kapitän allein weiter auf den Weg, in der Hoffnung, Schwarze anzutreffen, die uns Nachricht von den Häuptlingen geben könnten. Diese Hoffnung trog aber; wir fanden nichts als ein großes, zerstörtes Negerdorf, das uns wunderliche Gedanken machte. Während wir nun den Berg einer genauen Musterung unterzogen — er schien uns zur Erbauung eines Forts sehr günstig —, kamen gegen zwanzig mit Musketen bewaffnete Neger den Berg hinauf, die uns berichteten, daß alle Bewohner dieser Gegend durch die Neger von Adom vertrieben und erschlagen worden wären, welches Schicksal gewiß auch unsere drei Häuptlinge betroffen hätte. Damit gingen sie ihren und wir unsern Weg.