Professor Oswald Külpe sagt in seiner Darstellung und Würdigung Kants (Aus Natur und Geisteswelt, 146. Band, Seite 121) in bezug auf Kants Moralgebot: Liebe aus Neigung kann nicht geboten werden, sondern nur die praktische Liebe, das Wohltun aus Pflicht, wenn selbst unbezwingliche Abneigung der Ausführung dieser Pflicht entgegensteht. Auf solche Beispiele zielt das bekannte Epigramm von Schiller:

Gern dien' ich den Freunden, doch tu ich es lieber mit Neigung,
Und so wurmt es mich oft, daß ich nicht tugendhaft bin.
Da ist kein anderer Rat, du mußt suchen sie zu verachten,
Und mit Abscheu alsdann tun, was die Pflicht dir gebeut.

[9] In den letzten Jahren haben allerdings die Ergebnisse der Erdbebenforschungen die alte Theorie von ehedem »feuerflüssigen« Gehalt des Erdinnern erheblich diskreditiert.

[10] Dialektik im Sinne Dietzgens heißt soviel wie die Erkenntnislehre, welche sich gründet auf der erfahrungsmäßig nachgewiesenen Versöhnung des Kardinalgegensatzes zwischen Materie und Geist in der Einheit des natürlichen Universalzusammenhanges. Dieser bildet die absolut einheitliche Gattung, innerhalb welcher alle Gegensätze notwendig nur relativ gegensätzliche Arten sind.

Durch solche Überwindung der Gegensätzlichkeit zwischen Materialismus und Idealismus verwandelt sich die bislang mit Recht als sophistisch diskreditierte Dialektik in eine streng monistische Logik und Entwicklungslehre, die auf erfahrungsmäßig kontrollierbare und daher wissenschaftlich überzeugende Weise fortschreitend immer besser mit jeder dualistischen Unlogik zu räumen versteht.

Noch Hegels Dialektik (Entwicklungslehre im stets sich erneuernden Gegensatzkampf zur immer höheren Einheit) nahm ihren letzten Ausgang von unvermittelter Begriffsarbeit, welche sich mit ihrem objektiven Arbeitsmaterial in keiner Einheit zu versöhnen vermochte, weil ihr die Erkenntnis der genannten letzten Einheit mangelte und daher auch nicht zur Überwindung des Gegensatzes zwischen Objekt und Subjekt fortschreiten konnte.

[11] Ich existiere, daher denke ich.

[12] Erst neulich wurde in den »Sozialistischen Monatsheften« erklärt, es sei ganz und gar nicht Aufgabe der Partei, diese oder jene Weltanschauung zu fördern.

Ähnlich gleichgültig verhält sich Kautsky gegenüber einer durch erfahrungsmäßige Erkenntniskritik begründeten Weltanschauung und Denkmethode für die proletarische Bewegung, indem er im »Kampf« vom 1. Juli 1909 schreibt: »Marx hat keine Philosophie, sondern das Ende aller Philosophie verkündet. Der Marxismus will dem Proletariat die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung beibringen, wie das Kommunistische Manifest sagt. Der Ausgangspunkt dabei ist die Erkenntnis, daß nicht das Bewußtsein der Menschen ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein ihr Bewußtsein bestimmt. Ob man diese Auffassung auf den Materialismus des achtzehnten Jahrhunderts oder den Machismus oder den Dietzgenschen dialektischen Materialismus oder sonstwie stützt, ist ja für die Klarheit und Einheitlichkeit unseres Denkens nicht ganz gleichgültig, aber eine Frage, die für die Klarheit und Einheitlichkeit der Partei ganz belanglos ist.«

[13] Mit großem Erfolg haben die Aufsichtsräte deutscher Aktiengesellschaften ihren Lohn, Tantieme genannt, in den letzten Jahren, und ganz besonders wieder 1913/14, erhöht. Auf Grund der Einnahmen aus der Tantiemesteuer berechnet die »Frankfurter Zeitung« für das Fiskaljahr 1913/14 versteuerte Tantiemen von 88,38 Millionen Mark gegen 79,38 Millionen für das Jahr 1912/13, 71,50 Millionen für 1911/12, 65,39 Millionen für 1910/11, 59,30 Millionen für 1909/10 und 41,01 Millionen Mark für 1908/09. Seit 1908/09 hat sich die Jahreseinnahme der Aufsichtsräte mehr als verdoppelt, die Aufsichtsratstantiemen sind erheblich schneller gestiegen als die Dividenden der Aktionäre. Von einer Steigerung der Arbeitsleistung der Aufsichtsräte kann dabei keine Rede sein, schon weil das Aufsichtsratsamt in den meisten Fällen überhaupt mit keiner ernsthaften Arbeit verknüpft ist. (»Vorwärts«.)