Was konnte aber der arme Wichsekrah für die heißen Gefühle seines Mannesherzens? — Und um diesen Gefühlen Rechnung zu tragen, war er auch in seiner bescheidenen Häuslichkeit durch zarte Bande gefesselt.

Gegensätze ziehen sich an und berühren sich gern, sagt das Sprichwort und wie oft große, starke Männer ihr Herz für immer an kleine, zarte Frauen hängen, so auch umgekehrt. Das letztere war bei Wichsekrah der Fall. Zwar waren die Bande, welche diese beiden Menschen vereinigte, nur loser Natur und vor keinem Altar geknüpft und Standesämter gabs damals noch nicht, auch war die zarte Hälfte keine von Jenen, welcher jemals des Papstes Tugendrose beschieden gewesen wäre, aber — das genirt bekanntlich große Geister nicht — und — kleinen — gehts nichts an.

Wenn aber sonst der Mann des Weibes Beschützer zu sein pflegt, so war dies bei Wichsekrah und seiner Gefährtin umgedreht der Fall, und wenn er sich auch, gänzlich in Verkehrung der Thatsachen und Sachlage, ja einmal als Haupt des Hauses fühlen wollte, so machte sie ihm sehr schnell begreiflich, daß sie in diesem Falle die Mütze wäre, welche noch über dem Haupte sitzt.

Kam Wichsekrah von seinen Geschäftsausflügen nach Hause, so räumte sie ihm als sorgsame Hausfrau zunächst alle Taschen gründlich aus, und wenn er ja einmal allzu lebhaft dagegen protestirte, so zog sie ihn — wie die Fama berichtet — mit zarter Hand einfach ein Wenig über die Knie — — und — — »De Wichse is gut!« war der Schlußeffect.

Wer aber war Wichsekrah eigentlich und was wurde aus ihm?

Julius Alexander Grahn, genannt Wichsekrah, war im Jahre 1822 in Leipzig geboren. Sein im Jahre 1849 verstorbener Vater war Zeichner, kam aber gänzlich herunter und fiel der Armenanstalt zur Last. Seine öffentlichen Declamationen gelegentlich seines Hausirhandels mit Wichse, Pomade und Streichhölzern wurden ihm wiederholt von der Behörde untersagt, worüber er sich in der Nummer vom 18. October 1861 des Tageblattes öffentlich beschwerte. Diese Annonce hatte folgenden Wortlaut:

Wie kommt es denn, daß die Herrn mir Alles verbieten — wollten?

Der Leipziger Wichs-General. J. A. Grahn.

Er starb am 6. September 1881 im hiesigen Armenhause.

XVI.
Student und Verbindungströdeljude.