Anno 1859 am 1. Januar wurde mit dem Abbruch der alten Magazingebäude, sowie der kleinen Häuser links vom Petersthor, dem sogenannten Peters-Zwinger begonnen.
Berliner Bahn.
Am 2. Januar 1859 wurde die Berliner Bahn eröffnet.
Mord.
Am 25. Februar Abends 10 Uhr erstach der Oberjäger Manicke vom 1. Jägerbataillon (unsrer Garnison) in der Thieleschen Wirthschaft (Bordell) kleine Fleischergasse No. 18, aus Eifersucht seinen Kamerad und besten Freund, den Oberjäger Heinecke in der Trunkenheit.
Das Schillerfest.
Das hundertjährige Geburtstagsfest Friedrich Schillers wurde 1859 in fast allen Städten Deutschlands gefeiert und daß hiervon unser Leipzig keine Ausnahme machte, ist selbstverständlich. Am Abend des 9. November zogen die Sänger mit zirka 500 bunten Laternen von der Centralhalle aus nach Gohlis vor das ehemalige Schillerhaus, in welchem Schiller das »Lied an die Freude« dichtete, welches renovirt und zum dauernden Andenken als eine durch den längeren Aufenthalt des Dichters geweihte Stätte vom Rathe der Stadt Leipzig angekauft worden war. Im Theater fand an demselben Abend Festvorstellung statt. Am Morgen des 10. November bot die Stadt einen überaus festlichen Anblick. Fast kein Haus war ohne Fahnen- und Blumenschmuck. Auf dem Markt stand auf hohem Postament die Colossalbüste des Dichterfürsten. Von 9—½11 Uhr fand in allen Schulen, sowie in der Aula der Universität feierlicher Festaktus statt und um 12 Uhr schlossen fast alle Geschäfte ihre Läden, was damals gelegentlich eines Festes noch nicht in Leipzig stattgefunden hatte. Von 12 Uhr an begannen die sich an dem riesigen Festzug betheiligenden Corporationen auf dem Augustusplatz und um die Promenade, sowie die Grimmaische Straße herein bis auf den Markt Aufstellung zu nehmen. Da kam hoch zu Roß die Gesellschaft »Hyppomannia«, hinter ihr die Sänger mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel. Dann kamen die Studenten, von berittenen Chargirten angeführt, jede einzelne Couleur im vollen Wichs, die blanken Schläger in den Händen, ihnen folgte der Künstlerverein mit berittenen Herolden und einem Musikchor in alter Schweizertracht voran, die Mitglieder zum großen Theil nach Personen aus Schillers Werken kostümirt. Ihnen folgten die Professoren und Schüler der Kunstakademie mit ihren Emblemen. Dann kam die löbliche Kramerinnung und die sehr zahlreich vertretenen Turner und nun folgten in einer unabsehbaren Reihe von geschmückten Wagen und kostümirten Gruppen die Innungen. Zuerst die Gelbgießer mit zwei großen Altarleuchtern auf den Armen kostümirter Träger, die Klempner, geführt von stattlichen Gesellen in selbstgefertigten Harnischen, die Bäcker mit ihrer alten Schwedenfahne, die Scene ihrer Heimkehr von der Schlacht bei Lützen darstellend, dann die Schriftsetzer, auf festlichem Wagen das »Lied an die Freude« setzend, welches auf dem holpernden Wagen, der eine Presse trug, gedruckt und unter die Zuschauer ausgeworfen wurde. Die Barbiere, dem ehemaligen Regimentsfeldscheer huldigend. Hier wurden die Innungen durch das gesammte Lehrerkollegium Leipzigs unterbrochen. Nun schwankte ein Wagen, mit hohem blumengeschmückten Baldachin über Schillers Büste, daher. Rechts und links der Büste saßen auf zwei Riesenkürbissen zwei Elfen mit gefüllten Blumenkörbchen und streuten kleine Bouquets unter die Menge. Es war dies der Wagen der Gärtner. Den Gärtnern folgten Rath und Stadtverordnete, nach ihnen kamen die Buchbinder, vier Lehrlinge trugen einen Riesenband Schillerscher Werke. Jetzt kamen auf hübsch dekorirtem Wagen die Cigarrenmacher in voller Arbeit, die gefertigten Cigarren ebenfalls unter die Menge austheilend. Jedem Wagen folgten die übrigen Meister, Gehilfen und Lehrlinge des Gewerbes. Nun kam hoch zu Roß in prachtvoller mittelalterlicher Tracht, gefolgt von geharnischten Rittern, der Landvoigt Geßler mit Rudenz und Harras, hinter ihnen ein Haufen Kriegsknechte, von denen einer auf einer Stange des Landvoigts Hut trug. Ihnen folgten Wilhelm Tell mit seinem Knaben, umgeben von Schweizervolk. Die Gruppe war von der löblichen Schneiderinnung gestellt worden und bildete einen hervorragenden Glanzpunkt im Zuge. Im Zuge der Schuhmacherinnung, welche nun kam, schritt Hans Sachs mit seinen Gesellen im Costüm. Die Schmiede folgten mit bekränztem Ambos und Hämmern, die Schlosser mit einer im vollen Betrieb befindlichen Werkstätte auf einem Wagen, die Maschinenbauer ebenfalls mit Wagen als Werkstätte und im Zuge getragenen Miniaturlokomotiven, Tendern und Wagen. Die Pianofortearbeiter mit Schiller selbst in antiker Tracht, die Stirn lorbeerumkränzt, die goldne Leyer im Arm. Die Glockengießer mit einem Wagen, auf welchem Schillers Glocke steht. Die Fleischer, auf einem Wagen zwei bekränzte Opferlämmer mitführend, indeß andere weißgekleidete Gesellen im Zuge eine riesige Wurst tragen. Die Töpfer mit zwei Wagen mit Drehscheiben im Betrieb und einem kolossalen Topf. Den Hutmachern schwebt ein mächtiger Freiheitshut voran, dann folgen die Riemer und Sattler, die Glaser und Tischler, Zimmerleute und Maurer und die anderen Gewerke, sowie die von einem Berittenen geführten Eisenbahnarbeiter. Der Zug dauerte länger als eine Stunde im Vorüberziehen.
Abends war ein kolossaler von allen Zugtheilnehmern ausgeführter Fackelzug. Als Nachfeier wurde am 11. November die Schiller-Linde in Gohlis gepflanzt.
450 jähr. Universitäts-Jubiläum.
Am 9. Dezember 1859 feierte die Universität ihr 450 jähriges Bestehen in Leipzig. König Johann und sämmtliche Prinzen wohnten dem Festmahl im Schützenhaus (jetzt Krystallpalast) bei. Abends war Commers in der Centralhalle. Die königliche Familie wurde von den Studenten mit Fackeln zum Bahnhof geleitet.