Vorreiter.
Berittenes Musikchor.
Fünfzehner-Ausschuß und Festausschuß.
Beurtheilungs-Ausschuß.
Erstes Musikchor.
Ausländer.
Kreis IV. Norden etc. siehe oben.

Der Zug bewegt sich durch folgende Straßen:

Grimmaische, Ritterstraße, Brühl, Nikolaistraße, Universitätsstraße, Schillerstraße, Neumarkt, Reichsstraße, Brühl, Hainstraße, um den Markt herum, Petersstraße, Königsplatz, Zeitzerstraße.

Auf dem Festplatze begiebt sich jede Riege an das Geräth, welches die Armbinde ihres Vorturners zeigt.

Die Fahnen werden gerade über den Festplatz getragen und in der Festhalle abgeliefert.

Und nun zum Festzug selbst, den in seinen Einzelheiten auch nur annähernd zu beschreiben den Raum unsrer Hefte bedeutend überschreiten würde. Mehr als 700 Turnvereine in einem Zuge von circa 20 000 Theilnehmern, fast 600 Fahnen und mehr als 100 Musikchören, das stattliche 60 Mann starke Turnertrommelchor mit seinem Tambourmajor, der drei, vier Stockwerke hoch, während er ruhig weiter marschirte, seinen schweren Majorsstock emporwirbelte und denselben, immer dabei weiter marschirend, stets mit unfehlbarer Sicherheit wieder auffing. Die großen auswärtigen Vereine mit ihren prachtvollen Musiken, die Bornaer mit ihrem Knabenmusikchor, Ostpreußen und Badenser, Südösterreicher und Hannoveraner, Pfalzbaiern und Deutschpolen und dieser Zug, dessen Vorbeipassiren gute zwei Stunden in Anspruch nahm, begrüßt von einem Regen von Bouquets und Blumen, aus den einzelnen Stockwerken der reichgeschmückten Häuser, an Bindfaden herabgelassnen Flaschen mit Bier, Wein, ja Champagner, oder Körbchen mit belegten Brödchen, am Wege aufgestellten Tonnen mit Bier und Wasser, von seinem Ausgangspunkte bis zu der damals noch inmitten von Stoppelfeldern stehenden Festhalle, begleitet von Hochs und Hurrahs Hunderttausender begeisterter Menschen. Die studentischen Turner aller deutschen Universitäten, in vollem Wichs, für sich allein schon ein minutenlanger stattlicher Zug und dann zuletzt — unsere braven Leipziger Turner in ihrer strammen Haltung, trotz ihrer mannichfachen Thätigkeit schon vor dem Zuge und dem stundenlangen Marschiren in der wahrhaft tropischen Hitze jenes Tages ungebeugt und flotten Schrittes; die »dicke Riege« zusammengesetzt aus 71 hundertachtzig- und zweihundert-pfündigen aktiven Turnern ganz Deutschlands — — — genug davon, nur Eins sei nochmals betont, daß es einen solchen Zug nie vor und auch niemals wieder nachher bis zum heutigen Tage auf irgend einem deutschen Feste gegeben hat.

Die Turnübungen, vor allem aber die in so riesigem Maaßstabe ausgeführten Freiübungen verliefen in glänzender Weise. Die gastronomischen Leistungen sowohl in der Festhalle wie in den andern großen Zelten des riesigen Platzes waren vorzügliche. Vier offne zum unentgeltlichen Tanze errichtete Tanzböden wurden von Alt und Jung auf das Lebhafteste frequentirt. Heisa — wie flogen die durch kolossale Crinolinen aufgebauschten Kleider, mancher Reifen knickte im Gedränge, mancher Puff wurde eingenommen und ausgetheilt, in den großen Zelten saßen die Turner mit ihren Wirthsleuten und während aus dem einen die sehnsuchtsvolle Frage im Lied »Was ist des Deutschen Vaterland« emporstieg, erklang es drüben aus einem andern »Schleswig-Holstein meerumschlungen — Deutscher Freiheit hohe Wacht« und in einem dritten gab ein Berliner in Knittelversen die Mär von »Sobbe und Putzki« den auf gegenseitiges Ehrenwort von der Festung durchgebrannten preußischen Lieutenants zum Besten. Ueberall Musik und Gesang und patriotische Ansprachen, hier verbrüderten sich Ostpreußen und Baiern, dort Berliner und Wiener und Manche, die sich schon nach wenig Jahren mit der Waffe in der Hand feindlich gegenüber stehen sollten, stießen hier begeistert zusammen an auf das hehre Ziel, das sie alle verfolgten — auf das Wohl des geeinigten Deutschlands! In der Festhalle aber hingen die Fahnen der germanischen Stämme friedlich neben einander und hoch über allen thronten die alten deutschen Reichsfarben »Schwarz, Roth, Gold.«

Schwarz — Roth — Gold.

1.

Will Schwarz der Himmel sich bekleiden,