Ich habe geflucht, als ich’s hörte. So schön wie wir bereit waren! Und da sollte es wieder nichts werden! Ich mußte es dem König mitteilen und kletterte noch einmal zu ihm hinauf.

Da nahm er mich beim Arm.

‚Wer ist das?‘ flüsterte er und zeigte auf Schill. ‚Nehme Er sich nur vor dem in acht! Der ist gefährlich! Der wird Ihm gehörig in die Suppe spucken!‘

‚Ich wünsche, Majestät,‘ sagte ich dann, ‚daß ich noch ein paar solche Kerle unter meinen Leuten hätte. Denn er hat das schlechteste Führungsbuch, das ich noch jemals bei einem Offizier gesehen habe, abgesehen von meinem eigenen, als ich in den Jahren war! Und er ist der beste Offizier, den man sich wünschen kann! Der geborene Rebell gegen jeden Zwang, keck, übermütig, tollkühn, reitet wie der Deibel, schießt wie ein Gott, ist hinter den Weibern her wie hinter dem Feind, und in beiden Fällen unwiderstehlich! Er stürmt die Hölle, wenn’s sein muß! Wenn wir noch Kolberg haben – ihm ist’s zu verdanken. Denn da war’s unter dem alten Loucadou schon so weit wie in den anderen Festungen! und Schill und Nettelbeck stachelten dann die Bürger auf, [pg 272]einen anderen Kommandanten zu erbitten. So kriegten wir den Gneisenau hin.‘

‚Ja, der ist gut,‘ sagte der König dann, ‚sonst aber ist’s eine Schande, wie sich Ihre höheren Offiziere benommen haben! Und da waren doch tapfere Leute darunter.‘

‚Gewiß‘, sagte ich. ‚Es kam aber wie eine Seuche über sie mit den Kapitulationen, und da hilft nur eine eiserne Kur!‘

‚Über die Bank schießen!‘ sagte der König – ‚und den zuerst!‘ flüsterte er dann, auf Schill zeigend, ‚denn der ist gefährlich. Er hat’s mit der Melancholie! Ich seh’s ihm an!‘

Ich habe laut lachen müssen!

Aber der König wiederholte: ‚Er hat’s! Ich kenne die Sorte! Meine Schweden sind auch so! Sie fliegen auf wie eine Rakete, und dann, auf einmal, packt sie die Melancholie, sie zerplatzen in lauter feurige Tränen, verpuffen, und weg sind sie! Passe Er nur auf! Er wird’s noch mit dem Schill erleben! – – Was wollte er?‘ fragte er dann auf einmal neugierig.

Ich brachte ihm dann schnell bei, sein lieber russischer Schwager hätte uns drüben in Tilsit mit seinen Friedensverhandlungen einen bösen Streich gespielt, und wir hätten nun die Zeit verpaßt.