Es waren keine baumlangen Pommern oder Mecklenburger, sondern zumeist klein gewachsene, schmächtige Leute aus den schlesischen Weberdistrikten. Staat war mit ihnen nicht zu machen, aber sie würden schon anbeißen, wenn man nur verstände, im richtigen Ton zu ihnen zu sprechen, und ihnen gleich zu Gemüt zu führen wüßte, daß der Krieg keine Schule der Verzärtelung sei, und daß es dabei etwas Wichtigeres und Bedeutungsvolleres als Strapazen und Entbehrungen gäbe.

Und diesen Ton fand Blücher gleich.

Nachdem er die Reihen abgeritten war, hielt er vor der Front und rief in seiner jovialen Art, mit einem listigen Augenzwinkern, daß sich ein jeder sofort innerlich auf du und du mit ihm befand.

„Kerls, ihr seht aus wie die Schweine! Aber es macht nichts. Ihr habt doch die Franzosen geschlagen! Das ist aber nicht genug! Ihr müßt sie heute wieder schlagen, wie das Wetter und die Wege auch sind. Sonst sind wir alle beschissen! Guten Morgen, Kinder! Und nun frisch darauflos!“

Worauf er schmunzelnd über das donnernde Lachen, womit die Front für die Ansprache quittierte, sein Pferd herumwarf und zurück in sein Quartier galoppierte.

Dort erwartete ihn großer Ärger und Verdruß.

Yorck selbst war gekommen, um wegen des vielen „unnützen Hin- und Hermarschierens“ das Oberkommando zur Rede zu stellen, und war eben in heftigem Diskurs mit dem [pg 292]Generalstabschef Gneisenau, der vom Obersten Müffling getreulich sekundiert wurde.

Als er Blücher sah, wandte er sich gleich an ihn, und zwar in einem Ton, den dieser sich als Oberkommandierender keinesfalls gefallen lassen konnte.

„Und wenn der Teufel selbst das ganze Oberkommando gegen mich zur Attacke ritte – marschiert wird doch nicht, ehe ich nicht achtundvierzig Stunden gerastet habe!“ rief er ohne alle Einleitung Blücher zu. „Das ist das wenigste, was ich brauche, um meine Leute wieder schlagfertig zu haben. Das mögen sich die Herren Kraftgenies hier –“ er warf einen despektierlichen Blick auf die beiden Mithelfer Blüchers – „unter die Nase reiben! Und auch, daß ich dies kopflose Hin- und Hermarschieren, das sie meinen Leuten zumuten, ohne ihnen Ruhe zum Essen und Schlafen zu gönnen, daß ich das mit den Menschen Schindluder treiben nenne. Und dazu sind meine Preußen denn doch zu gut!“

Blücher verbat sich ein für allemal in der energischsten Weise sowohl diesen Ton wie auch jede Widerrede. Yorck und er seien wohl alte Waffengefährten, aber das entbinde ihn doch nicht von der Pflicht unbedingten Gehorsams seinem Vorgesetzten gegenüber. Zu befehlen habe hier allein er, Blücher. Er trüge auch allein die ganze Verantwortung für die gegebenen Befehle und verbäte sich eine jede Kritik.