Allein Blücher selbst machte sich in seiner rebellischen Art über seine eigene Strategie lustig.
„Na, Gneisenau,“ sagte er plötzlich zu dem neben ihm reitenden Generalquartiermeister, als sie sich am Abend in strömendem Regen nach dem Hauptquartier in Brechtelshof zurückbegaben, „die Schlacht hätten wir gewonnen, das kann uns eine ganze Welt von Theoretikern nicht abstreiten. Nun laß uns auch mal daran denken, was wir klugerweisse zusammenbringen, um den Leuten klarzumachen, wie wir sie gewonnen haben. – Diesmal muß Er die Strategie eben nachträglich zurechtmachen. Einen Plan müssen wir gehabt haben! Das geht nicht anders! Was werden die Strategen sonst von uns sagen, wenn wir uns erfrechen, so gegen alle Regel eine Schlacht gewonnen zu haben?“
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Im Schloß des Grafen Hohenthal zu Wartenburg war der Bankettsaal hell erleuchtet.
Um die Tafeln eine ernste Gemeinde.
Ein blutiger Tag war zu Ende. Man feierte einen glänzenden Sieg –, erfreute sich des Gelingens eines kühnen strategischen Manövers, von dem eine entscheidende Wendung des ganzen Feldzuges zu erhoffen war.
Aber immer noch stand die Hauptmacht Napoleons ungebrochen da. Immer noch flatterten die dreifarbigen Fahnen über der Hauptstadt seines sächsischen Vasallen. Die Marseillaise schmetterte noch sieghaft wie bisher und behauptete das Feld gegen die fremden Klänge, die rebellische Rhythmen in das Konzert zu werfen suchten.
Von allen Seiten kam das Echo feindlich gefärbt zurück – aus den böhmischen Bergen – aus der Lausitzer Gegend und nördlich von der Elbe, kräftig genug, um der Welt zu zeigen, daß die Todesstunde der französischen Alleinherrschaft geschlagen hatte.
Die Rollen waren vertauscht.
Jetzt war Napoleon nicht mehr der wilde Jäger, vor dem alles auswich und vor dessen Ungestüm alles erlag. – Jetzt war er selbst das gehetzte Wild, noch furchtbar, wo seine Pranke traf, aber nicht mehr als Sieger Gesetze gebend.