Der Einzug der beiden anderen Monarchen war dafür um so eindrucksvoller.
Überall, wo ihre Kavalkade durchkam, lagen Tote und Verwundete. Pferdekadaver, zerbrochene Lafetten, Pulverkarren und Marketenderwagen sperrten fast die Straßen. Die Glocken läuteten, die Häuser flaggten, aus allen Fenstern ertönte Freudengeschrei und begeistertes Winken. Hurrarufe, Böllerschüsse und der Gesang der einziehenden Regimenter mischten sich mit dem Gestöhn der Sterbenden und den Hilferufen der Verwundeten.
Auf dem Markt vor dem ehrwürdigen Rathaus war große Parade, Beglückwünschung der Monarchen, Belohnung der nicht gefallenen Helden, Beförderungen, Ordenssegen und Gnadensonne. Ein jeder bekam, was sein Herz begehrte, und alles schwamm in Wonne.
„Die zwei großen und schönen Tage sind verlebt,“ schrieb Blücher an seinen Freund Bonin, „den 18. und 19. Fihl der große Coloß wie die Eiche vorm Stuhrm, er der große Tiran hat sich gerettet, aber seine Truppen sind in unsern henden. Poniatoffsky wurde Blessirt und ist ertrunken, man glaubt Angerau desgleichen, Rennie und Lauriston sind gefangen, der erste ist Blessiert, den 19. wurde zu ende des kampffes Leipzig mit Stuhrm und großer uf Opffrung genomen, man wollte Leipzig in brand schißen ich wider setzte mich die Russischen Batterien und sie durften nur mit kugell Schißen. –
an meiner seitte drank die Russische Infanterie zu erst in die Stadt, an der anderen seitte die braven Pomern, es [pg 346]wahr ein kampff ohne gleichen, 100 Canonen sind in Leipzig genomen, unsere monarchen, daß heist der ostreische, der Russische kaiser und unser könig haben mich uf öffentligen margte gedankt Alexander drückte mich ans HErtz.“
Und an sein Malchen schrieb der zum Generalfeldmarschall Beförderte, „als Frau Feldmarschallin mußt du nun anstendig leben und sey nur nicht geizig und laß dich was abgehen! – – mit die ordens weiß ich mich nun kein Raht mehr ich bin wie ein alt kutsch Perd behangen, aber der gedanke lohnt mich über alles, daß ich derjenige wahr der den übermütigen tihrannen demütigte.“
Alles jubelte, alles feierte in den überschwenglichsten Ausdrücken den Fall des Kolosses, der solange wie ein Alp auf das Leben der Völker gedrückt hatte.
Der Triumph war teuer erkauft, viel zu teuer, wenn man bedenkt, wie viele Tausende von Menschenleben bei größerer Entschlußfreudigkeit und geringerer Unzugänglichkeit der Regierungen hätten gespart werden können.
Leipzig spie wie ein Vulkan Verwundete in alle Richtungen hinaus, wie der amtliche Bericht eines Arztes sagte. Tausende von Verwundeten wurden nach Halle und anderen angrenzenden Städten von den Schlachtfeldern um Leipzig gebracht. In Leipzig selbst lagen mindestens zwanzigtausend von allen Nationen.
In dumpfen Spelunken, wo kaum zu atmen war, in Kirchen und Schulen, wo der Oktoberwind durch die scheibenlosen Fenster kälteschauernd heulte, lagen die Kranken aufgeschichtet wie die Heringe in ihren Tonnen, alle noch in ihren blutigen Gewändern, ohne Hemden, Bettücher, Decken, Strohsäcke, geschweige denn Bettstellen erhalten zu können.