»Zug 17 kreuzt mit Zug 268 dort. Zug 3 fährt dem Zug 15 dort vor.«
Gewohnheitsgemäß spielte er auf dieses Diensttelegramm die üblichen Bestätigungen ab, trug die Depesche gewohnheitsgemäß in das »Telegraphen-Journal« ein – dann klapperten die Apparate verdrossen weiter, die Bussolennadel zitterte, bebte, schwankte und pendelte. In ihm aber blieb es noch immer still. Seine Seele hörte nicht und empfand nicht.
Drei grelle Glockenschläge.
»Das Signal vom Achtundsechziger« sagte Püregger, um den in sich Versunkenen aufzumuntern.
Frickenberg stand auf, setzte die rote Kappe zurecht und schritt zur Tür.
»Den Mantel, Herr Assistent! Es ist sehr kalt draußen. Sie könnten sich leicht erkälten.«
»Und wenn ...?« Es zuckte über sein bleiches Gesicht – es sollte wohl ein Lächeln sein. Dem Alten tat es im Herzen weh. Und des Beamten starrer Blick beunruhigte ihn. Er sah drein wie ein Betrunkener, wie einer, der nicht recht ...
Der Zug kam. Es wurde verschoben. Lange, unwillig. Es war ja so kalt und Weihnachtsabend. Frickenberg mahnte nicht, trieb nicht an, ließ alles gehn, wie es ging. Erstaunt sahen ihn die Zugbegleiter an. Was hatte er denn heute, der »schneidigste Assistent« der Strecke? Einer lächelte dem anderen verständnisinnig zu und wünschte sich selbst einen recht heißen, recht starken tiefen Trunk ...
Da kam die Zugmaschine wieder, glutäugig pustend und schnaubend, in hastiger Ungeduld und eingehüllt in eine wirbelnd wallende, jäh zerstiebende Dampfwolke. Und ihr voran auf den eisglitzernden Schienen lief ein glühend roter Schein, schlangenartig, züngelnd, nach ihm langend. Und er ging den zuckenden schillernden Schlangen entgegen – es zog ihn widerwillig hin, unbezwinglich ... Wie im Zorn gellte die Lokomotive – er wankte zurück. Drüben das matterleuchtete Fenster – nein! Jetzt nicht! Nicht ohne sie! Sie war ja bereit.
»Wenn es nicht anders geht, machen wir ein Ende.«