Drunten von der Straße herauf klang jetzt eine klare Männerstimme:
»Wo gehst du hin?«
»Heim!« antwortete froh bewegt eine andere.
Heim! Auch er wollte heimgehn. Ja heim! Zu ihr und dann mit ihr ...
Trotzig richtete er sich auf und ging festen sicheren Schrittes die erreichte Straße entlang – heimwärts! Aus Not und Elend, aus Kummer und drohender Schande, aus Menschenverachtung und namenlosem Ekel heimwärts ...
Doch sein Kind! Das arme liebe rosige Kindlein ... Engelsschön kam es in diese Welt – und wurde zum Unheilsboten für die, die es lieben sollten und lieben mußten. Die Mutter starb beinahe in jener schweren Stunde – und seither sind Krankheit, sind Not und Elend daheim die Hausgenossen und seine unzertrennlichen Begleiter die Verzweiflung und die Versuchung ...
Er schritt gedankenversunken vorwärts, dem Orte zu, die stillen Straßen zum Bahnhofe hinaus.
Vor diesem hielt er ein. Droben im ersten Stock schimmerten die Lichter des Weihnachtsbaumes. Er hörte den Jubel der Kinder und sah das Schattenbild seines Vorstandes im Fenster. Der dort droben – der könnte auch helfen! Er hatte Geld. Er ließ sich kaufen mit dem Gelde seines seelenarmen Weibes – vielleicht rührt ihn, den innerlich Glücklosen, des verzweifelten Kollegen Unglück – vielleicht hilft er in dieser Stunde des Friedens und selbstlosen Gebens ... Vielleicht ...
»Der!« Er lachte auf. Hatte ihm doch der wirklich Beglückte, der heute jenes Frühlingslied gesungen, nicht geholfen! Und andere mehr, auf die er baute – Freunde, Jugendfreunde, Dankesverpflichtete ...
»Da ist mein einziger Retter und Helfer! Mein einziger Erbarmer!« Er schlug bei diesem Gedanken an die Tasche, die den Revolver enthielt.