»Anderen wird dann eben gepfändet, was sie an Mobiliar oder dergleichen besitzen,« sagte scharf der Beamte und sah sich im Zimmer um. Das war ein unheimlicher Blick. Er blieb haften auf Alex’ Kinderwagen. »Da haben Sie noch ein schönes Stück, das hat Geldwert,« sagte der Beamte.
»Das bleibt im Haus,« erwiderte Greiner mit ungewohnter Festigkeit. Schon manchmal war der Steuerbote mit geringem Betrag abgezogen, aber heute war er so zäh! Er wich nicht eher, als bis Frau Greiner den Taler herbeigeholt hatte, den ihr der Amerikaner gegeben hatte. Sie hatte ihn so schön in einem besonderem Büchschen aufgehoben; es half nichts, er mußte eingewechselt und noch zur Hälfte darauf gelegt werden. Erst dann verschwand der unliebsame Gast. Mißmutig sah die Frau ihm nach. »Er wittert das Geld,« sagte sie, »er hat’s nicht wissen können, daß wir noch etwas haben, aber er hat’s gespürt, daß Geld im Haus ist.«
»Es ist ein Elend,« seufzte Greiner, »da geht man wahrhaftig gern aus dem Land.«
»So mein’ ich auch; der Taler ist fort, Elias, das ist ein Fingerzeig, wir gehen auch fort.«
»Ja, und das gern.«
»Bist entschlossen? Im Ernst?«
»Ja, wie du sagst, es ist ein Fingerzeig.«
»Kinder, Kinder, denkt’s euch nur, wir gehen nach Amerika!« rief die Mutter.
Jetzt gab’s Fragen und Verwundern und eine Aufregung war in der kleinen Familie wie noch nicht leicht. Daß der Alex nicht mit durfte, das kam allen hart vor, aber die Mutter hatte schon einen Plan: Nach Sonneberg wollte sie ihn bringen, bei ihrer Mutter wäre er gut versorgt; ihre Schwester hatte jetzt lange genug keine Kinder gehabt, die sollte das arme Waislein nur nehmen.
Vater Greiner sagte aber fast jede Stunde an diesem Tag: »Wenn er nur auch Wort hält, dein Amerikaner!« worauf dann seine Frau entgegnete: »Denk nur an den Taler!« Ja, der Taler war das Unterpfand, aber er lag nicht mehr da, so wirkte er auch nicht mehr recht.