Frau Greiner sah ihren Mann ängstlich an, ob er wohl etwas gegen diese Worte zu sagen wüßte. Ihr selbst wollte gar nichts einfallen. Ja, jetzt entgegnete er etwas. »Wer weiß, ob’s dem Herrn Amerikaner gelingt da drüben?« fragte er. »Es wird so leicht nicht sein, daß er das gerade so einführt, wie’s bei uns seit hundert Jahren oder wer weiß wie lang schon ist.«
»Da habt Ihr recht. Aber ich rechne so: Gelingt’s ihm nicht, so werdet auch Ihr Euer Glück nicht machen, Ihr werdet ihm bald zur Last sein. Gelingt’s aber, die Industrie dort einzuführen, dann ist’s der helle Schaden für uns herüben, das ist leicht einzusehen.« Ja, das war einleuchtend, die Frau war schon ganz überzeugt. Aber ihr Mann? Sie mußte sich nur wundern, er war halt doch ein ganzer Mann, sogar mit dem Schulz konnte er’s aufnehmen, denn er wußte wieder etwas dagegen zu reden.
»Auf jeden Fall,« sagte Greiner, »braucht so etwas Zeit. Bis die da drüben die Kunst so los haben, wie wir, geht wohl ein Jahrzehnt dahin, und bis das dann im ganzen Amerika bekannt wird und sie die Puppen von dem Herrn beziehen, statt wie bisher von unsern Fabrikanten, da kann’s noch lang dauern, bis dorthin leben wir wohl nicht mehr.«
Die Frau nickte beifällig. »Ja, so weit hinaus sorgt niemand,« sagte sie zustimmend.
»Das denkt Ihr so, weil Ihr jung seid,« sagte Ruppert zur Frau. »Mir kommt’s nicht soviel vor, so zwanzig Jährlein, und an die Nachkommen muß man auch denken. Für wen hat denn der Gemeindeförster den Abhang da oben frisch aufgeforstet? Für uns nicht, kaum für die Kinder, für die Kindeskinder vielleicht. Und wo nehmen wir unser Holz her? Von den Bäumen nicht, die wir gepflanzt haben, die Alten haben uns dafür gesorgt, die lange schon tot sind. Darum meine ich, wir dürfen, da wir so arm sind in unsern Walddörfern, unsern einzigen Verdienst nicht den Amerikanern bringen. Warum? – weil unsere Enkelkinder auch noch essen wollen!«
Nun nickten sie beide zustimmend, Mann und Frau. Daß die Enkelkinder auch noch essen wollten, das war berechtigt.
»Es ist schon wahr,« sagte Greiner mit schwerem Seufzer, »am Unglück vom Dorf möchte ich nicht schuld sein.«
»Ich noch weniger, lieber Gott, wenn man dächte, es wäre gar kein Verdienst mehr im Ort, es wäre ja zum Verzweifeln. Wenn aber der Amerikaner eine andere Familie mit hinübernimmt?« fragte Frau Greiner.
»Von unserem Dorf geht keine mit,« entgegnete Ruppert, »unsere Leut kenn’ ich und will schon mit ihnen reden, und wegen der Nachbarorte will ich schon sorgen; wenn man mit dem Amtmann spricht und mit den Pfarrern und Lehrern und mit den Ortsvorstehern und dem Notar, dann wird der Amerikaner auch nichts erreichen.«
Schon eine gute Weile war in den stillen Sommerabend das Schreien des kleinen Alex herausgedrungen, jetzt ließ sich auch noch der Johann vernehmen und die Mutter ging hinein. »Ihr habt jetzt ein Kostkind?« fragte Ruppert.