»Aber der Amerikaner geht doch auch hinüber!«

»Der freilich; Herren fressen sie nicht, bloß Kinder.« Da gaben sie sich zufrieden.

Im ganzen Dorf war in diesen Tagen von nichts anderem die Rede gewesen als davon, daß Greiners übers Meer gingen, und dann, daß sie nun doch nicht gingen, weil Ruppert gesagt habe: keiner, der’s mit Oberhain gut meine, dürfe dem Amerikaner folgen. Als nun dieser Herr, nichts ahnend von der Stimmung, die gegen ihn gemacht worden war, am Mittag ins Dorf kam, sahen ihn alle, die ihm begegneten, scheu an, wie den Versucher zum Bösen, und mit knapper Not waren sie so artig, ihm die Wohnung des Drückers Greiner zu zeigen, nach der er fragte.

Den ganzen Morgen war es unserer Frau Greiner schon unbehaglich bei dem Gedanken, daß der Herr nun abgewiesen werden mußte, und wohl zehnmal wollte sie von ihrem Manne hören, wie er es denn vorbringen wolle. Während sie an der Arbeit saßen, wurde der kleine Philipp immer wieder vors Haus geschickt, nachzusehen, ob kein Fremder die Dorfstraße heraufkomme, und richtig, so gegen Mittag war es, da kam er hereingerannt und rief: »Er kommt, er ist schon da!« Und dem kleinen Kerl auf dem Fuß folgte der lange Amerikaner mit dem hellen Anzug und dem Reiseschal schräg über die Achsel geknüpft. Er mußte sich bücken, als er durch die kleine Türe eintrat, denn er war wohl einen Kopf größer als Greiner, der nun von der Arbeit aufstand, während seine Frau ihre Verlegenheit zu verbergen suchte, indem sie nur um so eifriger an ihren Puppenbälgen nähte, als ob sie der Besuch nichts anginge.

Das half ihr aber nichts, denn der Amerikaner wandte sich gleich an sie: »Wie geht es, Madame Greiner?« fragte er; »haben Sie meinen Vorschlag Ihrem Manne mitgeteilt? Ja? Haben Sie meine Sache vertreten?«

Da sah Frau Greiner hilfesuchend zu ihrem Mann auf, und der antwortete an ihrer Stelle: »Sie hat’s schon getan, daran hat sie’s nicht fehlen lassen; es wäre auch nicht so ohne, elend genug ist’s bei uns, wie Sie sehen. Aber der Beschluß ist doch so ausgefallen, daß wir nicht gehen.«

»Das wollen wir uns doch erst überlegen, Sie und ich. Ich denke mir wohl, daß Sie nicht gleich einem fremden Mann, wie ich bin, vertrauen wollen, und auch ich müßte erst vom Arzt hören, ob Sie gesund genug sind, und noch anderes mehr. Die Unterhandlungen fangen jetzt erst an, Sie müssen nicht gleich von einem Beschluß reden. Sie dürfen mir selbst einen Notar vorschlagen, mit dem wir die Sache besprechen wollen.«

»Der Notar kann da nichts ändern,« sagte Greiner, »wir Oberhainer gehen nicht hinüber.«

Der Amerikaner schien betroffen, er merkte jetzt, daß die Sache doch wohl schon reiflich überlegt war.

»Sagen Sie mir, warum nicht. Ich habe Ihnen Vertrauen entgegengebracht, ich darf wohl auch von Ihnen Vertrauen erwarten?«