Um zehn Uhr kam der Stadtschultheiß wieder. »Julie!« rief er noch auf der Treppe, und der Ton, in dem er sie rief, fiel seiner Frau nicht angenehm auf. Er nahm sich kaum die Zeit zum Gruß, als sie ihm entgegen kam.
»Warum ist das Holz neben unserem Haus nicht weggekommen?«
»Hätte es denn wegkommen sollen? Es ist ja ganz ordentlich aufgeschichtet.«
»Aber du weißt das doch; die Straßen sollen frei sein. Allen Leuten, die Holz vorn an das Haus aufgeschichtet hatten, ist anbefohlen worden, es wegzuräumen. Hat der Polizeidiener dir nichts gesagt? Anne!« Die Anne in der Küche hatte das Gespräch schon gehört, sie kam nur ungern zum Vorschein. »Hat der Polizeidiener nichts gesagt wegen des Holzstoßes am Haus?«
»Er hat wohl neulich so etwas gesagt, aber weil unser Holz doch noch so naß ist und weil es so ordentlich aussieht –«
»Gehen Sie augenblicklich und holen Sie Tannenwedel und decken Sie den Holzstoß damit vollständig zu!«
»Wo bekomme ich wohl die Wedel?«
»Das können Sie selbst erfragen.« Das Mädchen lief fort.
»Es macht sich nicht gut, wenn ich von andern verlange, daß sie wegräumen, und vor meinem eigenen Haus bleibt die Sache liegen. Eine rechte Stadtschultheißin muß ein gutes Beispiel geben.«
»Aber du hast mir nichts davon gesagt.«