»Ja, ich wollte euch gerne empfangen.«
»Und wer ist außer dir noch da?«
»Niemand als das neue Mädchen.«
»So, das ist ja herrlich, ah! und wie gemütlich sieht es hier aus!« rief die Mutter, als sie ins Zimmer trat. »Wer hat denn alles so schön mit Blumen geschmückt?«
»Ich habe es mit Christine getan.«
»Das ist schön von dir,« sprach der Vater sichtlich erfreut.
»Ja,« sagte die Mutter, »sie ist schon eine brauchbare Haustochter und sie hat ihren Vater lieb.« Berta hatte freilich bei all dem mehr an die Mutter gedacht, als an den Vater; aber sie hatte nicht den Mut, davon etwas zu sagen; sie begnügte sich damit, zu sehen, daß es der Mutter gut gefiel in ihrem neuen Heim, in dem sie bald darauf um den Teetisch saßen.
Als sich Berta an diesem Abend in ihr Zimmerchen zurückzog, war sie sehr gespannt, ob wohl die Mutter heute abend wieder zu ihr ans Bett kommen würde. Aber sie kam nicht, so sehr Berta auch im stillen darauf hoffte, so lange sie sich auch abmühte, sich den Schlaf ferne zu halten.
Am nächsten Morgen war es Berta ganz merkwürdig zumute, als sie die Mutter als Hausfrau schalten und walten und mit ihrer Hilfe den Kaffeetisch ordnen sah. Wie gemütlich war dann auch das Frühstück! Sonst war es bei den Mahlzeiten immer sehr still zugegangen, jetzt aber war der Herr des Hauses heiter und fröhlich dabei, und die Mutter voll Freundlichkeit. Sie wußte auch so vielerlei zu erzählen, es war ein ganz anderes Leben als sonst!
Berta konnte es niemandem aussprechen, wie gut ihr die Mutter gefiel, aber ihrem Tagebuch wollte sie es anvertrauen. Als Vater und Mutter mit dem Auspacken ihres Reisegepäcks beschäftigt waren, nahm sie das Buch zur Hand und schrieb: »Die Mutter ist jetzt hier, man kann sie mit gar keiner Haushälterin vergleichen; ich habe sie sehr lieb, wenn sie mich nur auch lieb hätte, aber ich glaube es gar nicht bis jetzt.«