»Nun dürfen wir uns vielleicht noch einmal vorstellen als Freunde des Herrn Assessors: Ingenieur Maier.«

»Archivar Rau.«

»Nein,« sagte die Frau Assessor halb lächelnd, halb beschämt, »was müssen Sie von mir gedacht haben, und was wird mein Mann sagen, wenn er hört, wie ich seine Freunde empfangen habe! Jetzt höre ich ihn kommen, o bitte, wollen wir doch wieder hinüber in das Besuchzimmer.« Sie waren kaum darin, so erschien der Herr des Hauses und freute sich, seine Freunde zu treffen.

Diese waren viel zu artig, um die kleine Frau zu verraten, und nahmen gerne Platz, wie wenn nichts gewesen wäre, sie waren ja lange genug herumgestanden. Nur sahen sie so ungewöhnlich heiter aus, sie hatten Mühe, ihr Lachen zu verbergen. »Eine hübsche Wohnung, nicht wahr?« sagte der Hausherr.

»Ja, und wie es scheint, gute Öfen,« bemerkte der Ingenieur. Da war die Verstellungskunst der jungen Frau schon zu Ende. Sie mußte lachen und die Herren lachten mit. Der Hausherr machte ein sehr erstauntes Gesicht, bis ihm seine Frau alles selbst erzählte. Ein wenig ängstlich sah sie trotz ihrer Heiterkeit auf ihren Mann; wie er ihr Ungeschick wohl aufnehmen, ob er sie tadeln würde vor den Herren. Bewahre, das tat er nicht. Auch er lachte und sagte zu den Freunden: »So habt ihr der kleinen Frau überall hin folgen müssen? Was wollt ihr, mir geht es ja auch nicht besser!«


In der Adlerapotheke.

Auf dem stattlichen Bauerngut, das dem reichen Landwirt Hollwanger gehörte, gab es nun schon zum dritten Male in Jahresfrist einen Abschied. Der älteste Sohn war zum Militär einberufen worden; den zweiten hatte der Vater auf die landwirtschaftliche Schule geschickt, und der dritte, Hermann, der jüngste, aber doch schon hoch aufgeschossen, war nun auch im Begriff, das Elternhaus zu verlassen. Er wollte Apotheker werden, und so hatte er heute, am Donnerstag nach Ostern, in der Adlerapotheke in Neustadt als Lehrling einzutreten.

Vor dem Hause stand die Kutsche, in der der Vater den Sohn nach der Stadt fahren wollte. Der Koffer war hinten aufgepackt, Mutter, Schwester, Knecht und Magd standen vor dem Haus in dieser Abschiedsstunde. Die Trennung war keine von den schwersten; denn das Städtchen lag so nahe, daß man die Glocken von dort läuten hörte, wenn der richtige Wind wehte. Hermann hatte dort die Lateinschule besucht und täglich den Weg vom Elternhaus nach Neustadt zu Fuß gemacht. Dieser Weg hatte ihn immer an der Adlerapotheke vorbei, manchmal auch hineingeführt, und schon seit Jahren hatte er den Wunsch ausgesprochen, Apotheker zu werden. Sein Vater hatte nichts dagegen, er war ein reicher Mann und konnte seinem Sohne wohl einmal eine Apotheke kaufen.