Elschen drückte sich schmeichelnd an den Onkel. "Wen von uns hättest du denn mitgenommen?" fragte sie.
"Mußt du das wissen, kleine Neugier? Vielleicht den da," sagte er und deutete auf Frieder. Der nickte zustimmend. Er hatte es ja gewußt!
Einige Tage später war Frau Pfäfflings Bruder wieder abgereist. Sie stand mit wehmütigem Gefühl im Gastzimmer und war beschäftigt, es wieder für eine fremde Mieterin zu richten, nach der man sich nun bald umsehen mußte. In ihren Gedanken verloren, hörte sie doch mit halbem Ohr einen Mann die Treppe heraufkommen, hörte klingeln, öffnen, wieder schließen, hörte Marie zum Vater hinübergehen. An all dem war nichts besonderes, es brachte sie nicht aus ihrem Gedankengang.
Aber jetzt?
Sie horchte. "Cäcilie, Cäcilie!" tönte es durch die ganze Wohnung. Sie wollte dem Ruf folgen, aber da kam schon ihr Mann zu ihr herein, da stand er vor ihr mit glückstrahlendem Angesicht und rief frohlockend:
"Cäcilie, ich bin Musikdirektor in Marstadt!" und als sie es nicht fassen und glauben wollte, da reichte er ihr einen Brief, und sie las es selbst schwarz auf weiß, daß die Marstadter vorläufig in einem gemieteten Lokal die Musikschule eröffnen wollten und den Musiklehrer Pfäffling zum Direktor ernannt hätten. Es fehlte nichts mehr als seine Einwilligung, und auf diese brauchten die Marstadter nicht lange zu warten!
Der jubelnde Ruf: "Cäcilie!" hatte die Kinder aus allen Zimmern herbeigelockt. Zu verschweigen war da nichts mehr. Vom Vater hörten sie die gute Kunde, sie sahen, wie die Mutter bewegt am Vater lehnte und immer wieder sagte: "Wie mag ich dir das gönnen!"
Und das Glück war immer größer, weil es von so vielen Gesichtern widerstrahlte.
Nur einer war davon ausgeschlossen, einer hatte alles überhört, weil er mit seinen eigenen Gedanken vollauf beschäftigt war.
"Wo ist denn der Frieder?" fragte Elschen, "dem muß man es doch auch sagen!"