"Nun, ich kenne ja das von Kind auf und lasse mich nicht verblüffen. Es hat ihnen denn doch imponiert, wie ich von meinem Gymnasium und meinen Professoren gesprochen habe. Aber du kannst dir denken, daß ich genug zu laufen hatte, bis ich die Sache in Gang brachte, und nun bin ich wohl noch nicht fertig, denn sie haben gestern ein Pianino gekauft, eine Violine haben sie auch, da wird sich's um Musikunterricht handeln."
Bei diesem Wort horchte Otto; Musikunterricht—wenn das ein Pfäffling hört, so klingt es ihm wie Butter aufs Brot. "Wer soll den Musikunterricht geben?" fragte er.
"Weiß ich nicht."
"Meier, da könntest du meinen Vater empfehlen."
"Warum nicht, das kann man schon machen. Das heißt, für solche Herrschaften muß man immer das feinste wählen."
"Du kannst dich darauf verlassen, mein Vater gibt feinen Unterricht."
"Wohl, wohl, aber so ein Titel fehlt, Professor oder Direktor oder so etwas, das hören sie gern."
"Jetzt will ich dir etwas anvertrauen, Meier. Mein Vater kommt als Direktor nach Marstadt, sobald es mit der Musikschule dort im Reinen ist. Er hat schon seine Aufwartung dort gemacht und alle Stimmen waren für ihn. Nur ist es noch nichts geworden, weil erst gebaut werden muß."
"Dann kann ich wohl etwas für ihn tun," sagte Rudolf Meier herablassend, "vorausgesetzt, daß sie sich bei mir nach dem Musiklehrer erkundigen und nicht bei den Professoren."
"Dem mußt du eben zuvorkommen, gleich jetzt, wenn du heimkommst, mußt du mit den Russen sprechen."