Sie saßen jetzt beim Frühstück, aber es wurde hastig eingenommen, die Schulbücher lagen schon bereit, und gar nichts deutete darauf hin, daß morgen der heilige Abend sein sollte. Die Kleine wurde ganz ungeduldig und mißmutig. "Vater," sagte sie aus dieser Stimmung heraus, "gibt es gar kein Land auf der ganzen Welt, wo keine Schule ist?"
"O doch," antwortete Herr Pfäffling, "in der Wüste Sahara zum Beispiel ist zurzeit noch keine eröffnet."
"Da mußt du Musiklehrer werden, Vater," rief die Kleine ganz energisch. Aber da alle nur lachten, sogar Frieder, merkte sie, daß der Vorschlag nichts taugte, und sie sah wieder, daß gegen die Schule ein für allemal nichts zu machen war.
Heute sollte sie das besonders bitter empfinden. Als sie nach der letzten Schulstunde den großen Brüdern fröhlich entgegenkam, wurde sie nur so beiseite geschoben; die Drei waren in eifrigem, aber leise geführtem Gespräch und verschwanden miteinander in ihrem Schlafzimmer. Es waren nämlich die Zeugnisse ausgeteilt worden, und da zeigte es sich, daß Wilhelm in der Mathematik die Note "4" bekommen hatte, die geringste Note, die gegeben wurde. Das war noch nie dagewesen, die Zahl 4 war bisher in keinem Zeugnisheft der jungen Pfäfflinge vorgekommen. "So dumm sieht der Vierer aus," sagte Wilhelm, "was hilft es mich, daß ein paar Zweier sind, wo das letztemal Dreier waren, der Vater sieht doch auf den ersten Blick den Vierer."
"Ja," sagte Karl, "gerade so wie unser Professor auch in der schönsten Reinschrift immer nur die eine Stelle sieht, wo etwas korrigiert ist."
"Wenn wir es nur einrichten könnten, daß wir die Zeugnishefte erst nach Weihnachten zeigen müßten. Meint ihr, das geht?"
"Nein," sagte Karl, "man hat sonst jeden Tag Angst, daß der Vater darnach fragt. Aber es kann freilich die Freude verderben; hättest du es nicht wenigstens zu einem schlechten Dreier bringen können?"
Wilhelm blieb darauf die Antwort schuldig. Die Schwestern waren inzwischen auch mit ihren Zeugnissen heimgekommen und suchten die Brüder auf. Marie warf nur einen Blick auf die Gruppe, dann sagte sie: "Gelt, ihr seid schlecht weggekommen?" und da keine Antwort erfolgte, fuhr sie fort: "Unsere Zeugnisse sind gut, besser als das letztemal, und der Frieder hat auch gute Noten. Dann wird der Vater schon zufrieden sein."
"Nein," sagte Wilhelm, "er wird nur meinen Vierer sehen."
"O, ein Vierer?" "O weh!" riefen die Schwestern.