Der Künstler wunderte sich. "Du bist ja zu allem zu brauchen," sagte er, "woher weißt du das Zimmer?"
"Mein Vater ist Lehrer an der Musikschule, ich habe ihn schon oft dort abgeholt."
"Ah, Musiklehrer, und hat dennoch kein Billet genommen für unser Konzert?"
"Nein," sagte Wilhelm, "aber kein Mensch in der ganzen Stadt kann sich mehr darüber freuen, als mein Vater!"
Auch Elschen stimmte zu mit einem fröhlichen "ja, ja!" und dabei schlüpfte sie, so schnell sie konnte, in ihren Mantel und beiden Kindern war die Ungeduld, heimzukommen, an allen Gliedern anzumerken. Die Karte wurde ihnen denn auch wirklich eingehändigt und nachdem Wilhelm fest versprochen hatte, sich rechtzeitig im Künstlerzimmer einzufinden und Edmund zu unterhalten, ohne ihn aufzuregen, ihn zu belustigen, ohne Lärm zu machen, wurden die Kinder entlassen.
Wilhelm faßte die kleine Schwester bei der Hand; "Jetzt nur schnell, schnell, Elschen, wenn nur der Vater ganz gewiß zu Hause ist, es ist schon sechs Uhr, um halb acht Uhr geht das Konzert an!"
So rasch eilten sie am Portier vorüber, daß dieser sie kaum mehr erreichte, obwohl er aus seinem Zimmer ihnen nacheilte auf die Freitreppe vor dem Hotel.
"Halt," rief er, "wartet doch, Kinder, ihr dürft wieder heim fahren." Wilhelm wollte nicht. "Nein, nein," sagte er, "wir springen schnell und kommen viel früher heim, als wenn wir auf eine Droschke warten." Aber die Hand des großen, stattlichen Portiers lag fest auf der Schulter des Knaben und hielt ihn zurück. "Herr Meier hat Auftrag gegeben, daß eine Droschke geholt werden soll, es ist für dies kleine Mädchen ein weiter Weg und draußen ist's kalt und dunkel; aber wenn du so Eile hast, so kannst du ja selbst flink zum Droschkenplatz springen und einen Wagen holen." Wie ein Pfeil war Wilhelm davon; seiner Schwester wurde im Portierzimmer ein Sessel zurecht gerückt. Da saß sie neben zwei riesigen Reisekoffern, und betrachtete die glänzenden Metallbeschläge.
"Das sind große Koffer, nicht?" sagte der Portier zu ihr, "die reisen bis nach Rußland."
"Dann gehören sie dem General," sagte Elschen, "der in der nächsten Woche nach Berlin reist."