"Gar nicht ähnlich."

"Nicht? Ich meine doch. Wie heißt er eigentlich?"

"Mir fällt der Name gerade nicht ein, aber ähnlich ist er gar nicht."

"Doch!"

"Nein!"

Nachdem sie noch eine Weile über die Ähnlichkeit eines Namens gestritten hatten, den sie beide nicht wußten, schob der Arzt das Geld ein mit einem bedauernden: "Ändern läßt sich da nichts mehr."

Elschens Krankheit war gnädig vorübergegangen. Sie war wieder außer Bett, hatte aber noch Hausarrest und viel Langeweile. So freute sie sich über den heutigen Lichtmeßfeiertag, an dem die Geschwister schulfrei waren. Am Nachmittag machte sie sich an Frieder heran, der geigend in der Küche stand, und bat schmeichelnd, daß er nun endlich aufhöre und mit ihr spiele. Er nickte nur und spielte weiter. Sie wartete geduldig. Endlich mahnte ihn Walburg: "Frieder, hör auf, du hast schon zu lang gespielt. Frieder, der Vater wird zanken." Da gab er endlich nach, und Elschen folgte ihm fröhlich in das Musikzimmer, wo die Violine ihren Platz hatte. Als Frieder aber sah, daß der Vater gar nicht zu Hause war, nahm er schnell die Violine wieder zur Hand und spielte. "Du Böser!" rief die kleine Schwester und Tränen der Enttäuschung traten ihr in die Augen. Als aber nach einer Weile draußen die Klingel ertönte, sah man ihr schon wieder die Angst für den Bruder an: "Der Vater kommt!" rief sie und sah gespannt nach der Türe. Aber ehe diese aufging, war Frieder mit seiner Violine durch die andere Türe hinausgegangen und nun flüchtete er sich in das Bubenzimmer und spielte und spielte. Da holte sich Elschen den Bruder Karl zur Hilfe. "Frieder," sagte er, "ich rate dir, daß du jetzt augenblicklich aufhörst, du hast gewiß schon drei Stunden gespielt!" Da machte der leidenschaftliche Geiger ein finsteres Gesicht, wie es noch niemand an dem guten, kleinen Kerl gesehen hatte, und sagte trutzig zu Karl: "Ich kann jetzt nicht aufhören, ich spiele bis ich fertig bin."

In diesem Augenblick kam Frau Pfäffling herein, da stürzte sich Elschen weinend auf sie zu und rief: "Alle sagen ihm, er soll aufhören und er tut's doch nicht, vielleicht hört er gar nie mehr auf, sieh ihn nur an!"

Aber durch diesen verzweifelnden Ausruf der Kleinen und vielleicht noch mehr durch den Anblick der Mutter kam Frieder zu sich, ließ die Geige sinken, legte den Bogen aus der Hand und senkte schuldbewußt den Kopf.

"Hast du gewußt, daß es über die Zeit ist und hast dennoch weitergespielt?" fragte Frau Pfäffling. "Das hätte ich nicht von dir gedacht, Frieder, wenn du über deiner Violine allen Gehorsam vergißt, dann ist's wohl besser, das Geigenspiel hört ganz auf. Bleib hier, ich will hören, was der Vater meint."