Nach einer Weile begann er noch einmal zu spielen, aber wieder brach er mitten darin ab. Denen, die ihm zuhörten, ging es nahe, vor allem den Schwestern.

"Die Marianne möchte hinaus zu Frieder," sagte die Mutter. Herr Pfäffling verwehrte es nicht. Sie fanden ihn auf dem Schemel kauernd, wie er die Geige auf seinen Knieen liegend mit schmerzlichem Blick ansah. Sie setzten sich zu ihm und flüsterten mit ihm. Eine Weile später, als Herr Pfäffling in seinem Musikzimmer war, kam ein sonderbarer Zug zu ihm herein: Voran kam Frieder und trug mit beiden Händen etwas, das eingehüllt war in Mariannens großen, schwarzgrauen Schal. Es war fast wie ein kleiner Sarg anzusehen; ernst genug sah auch der kleine Träger aus, die Schwestern folgten als Trauergeleite.

"Da drinnen ist die Violine," sagte Frieder zu seinem Vater, der fragend auf die merkwürdige Umhüllung sah. Da nahm ihm Herr Pfäffling rasch den Pack ab, legte ihn beiseite, ergriff seinen kleinen Jungen, zog ihn an sich und sagte in warmem Ton: "Nun ist alles gut, Frieder, und du bist wieder unser Kind!" Und Frieder weinte in des Vaters Armen seinen Schmerz aus.

Später erst vertrauten die Schwestern dem Vater an: "Solang Frieder seine Violine gesehen hat, war es ihm zu schwer, sie herzugeben, erst wie wir sie zugedeckt haben und ganz eingewickelt, hat er sie nimmer mit so traurigen Augen angesehen!"

Als Frieder längst schlief, sprachen seine Eltern noch über ihn. "Wie kann man nur so leidenschaftliche Liebe für die Musik haben," sagte Frau Pfäffling, "mir ist das ganz unverständlich."

"Von dir hat er es wohl auch nicht," entgegnete Herr Pfäffling und fügte nachdenklich hinzu: "Ganz ohne Musik kann ich ihn nicht lassen, das wäre, wie wenn ich einem Hungrigen die Speise versagen wollte. Ich denke, am besten ist, ich lehre ihn Klavierspielen. Danach hat er bis jetzt kein Verlangen und wird es leichter mit Maßen treiben."

"Ja, und lernen muß er es doch, denn daran wird man kaum zweifeln können, daß er einmal ein Musiker wird."

Unser Musiklehrer sagte schwermütig: "Es wird wohl so kommen."

12. Kapitel
Ein Haus ohne Mutter.

So ganz allmählich und unmerklich war es gekommen, daß von Frau Pfäfflings Reise zur Großmutter gesprochen wurde als von einer ausgemachten Sache, obwohl niemand hätte sagen können, an welchem Tag sie die Ansicht aufgegeben hatte, daß die Reise ganz unmöglich sei.