"Zum Abhobeln hast du wohl keine Zeit, meine Frau hat es leichter als du, sie gibt sich auch viel Mühe mit der Erziehung."

"Ja, bei sieben geht es immer nur so aus dem gröbsten, und man wird damit oft kaum fertig."

"Unsere drei haben trotzdem auch ihre Fehler. Sie streiten viel miteinander, wie ist das bei euch?"

"Es kommt auch vor, aber meistens sind sie doch vergnügt miteinander. Sie haben ihres Vaters frohe Natur und sind leicht zu erziehen, nur sollte man sich eben mehr mit dem einzelnen abgeben können."

"Hat man für die deinigen zu wenig Zeit, so für die unserigen zu viel. Ich fürchte, daß sie gar zu sorgfältig beachtet werden. Jederzeit ist das Fräulein zu ihrer Verfügung, außerdem haben wir noch zwei Dienstmädchen, und mit unserem Jungen werden sie oft alle drei nicht fertig."

So besprachen die Geschwister in alter Vertraulichkeit miteinander die häuslichen Verhältnisse, und dann wollte Frau Pfäffling Näheres hören über einen Reiseplan, den ihr Bruder schon bei Tisch erwähnt hatte. Er beabsichtigte in den Osterferien eine Reise nach Italien zu machen, dabei durch Süddeutschland zu kommen und die Familie Pfäffling zu besuchen.

An diesen Plan schloß sich noch ein weiterer an, den der Professor nach dieser Schlittenfahrt faßte und zunächst mit seiner Frau allein besprach. Wenn auf der einen Seite viele Kinder waren, auf der anderen wenig, auf der einen Seite Zeit, Bedienung und Geld knapp, auf der andern alles reichlich, warum sollte man nicht einen Ausgleich versuchen? Bruder und Schwägerin machten den Vorschlag, einen der jungen Pfäfflinge auf Jahr und Tag zu sich zu nehmen. Die Sache wurde überlegt, und es sprach viel für den Plan. Frau Pfäffling wollte mit ihrem Mann darüber sprechen, und wenn er einverstanden wäre, sollte der Bruder auf der Osterreise sich selbst umsehen und wählen, welches der Kinder am besten zu den seinigen passen würde. Das Auserlesene sollte er dann auf der Heimreise gleich mit sich nehmen. Mit dieser Aussicht auf ein baldiges Wiedersehen reiste der Bruder mit seiner Familie wieder ab, und in der Umgebung der achtzigjährigen Mutter wurde es still wie vorher.

Frau Pfäffling erhielt treulich Berichte von den Ihrigen, aber sie erfuhr doch nicht alles, was daheim vor sich ging. Ihr Mann hatte die Losung ausgegeben: "Nur was erfreulich ist, wird brieflich berichtet, sonst ist der Mutter der Aufenthalt verdorben, alles andere wird erst mündlich erzählt." So gingen denn Nachrichten ab über gelungene Mathematikarbeiten und neue Klavierschüler, über einen Maskenzug und Fastnachtskrapfen, über Frieders regelmäßiges Klavierspiel und über der Hausfrau freundliche Teilnahme, aber worin sich zum Beispiel diese Teilnahme Frau Hartwigs gezeigt hatte, das und manches andere blieb verschwiegen.

Mit der Hausfrau hatte sich das so verhalten: Eines Mittags, als Herr Pfäffling von der Musikschule heimkam, sprach ihn Frau Hartwig an: "Haben Sie heute nacht nichts gehört, Herr Pfäffling, nicht ein Stöhnen oder dergleichen?"

"Nein," sagte Herr Pfäffling, "ich habe gar nichts Auffallendes gehört."