"Aber dann sollten Sie die Türe aushängen und eine Portiere anbringen, das würde sich sehr fein machen."
"Ja gewiß, aber ich habe keine Portiere und auf solche Einkäufe kann ich mich nicht einlassen. Sie müssen bedenken, daß Sie nun nicht mehr bei reichen Leuten leben, sondern bei solchen, die recht dankbar sind, wenn es nur immer zum täglichen Brot reicht."
"Sie haben recht, ich merke jetzt selbst erst, wie ich verwöhnt bin, und ich habe mich schon oft gewundert, daß Sie so heitern Sinnes auf vieles verzichten, woran Sie gewiß zu Hause gewöhnt waren. Ich weiß, daß Sie aus fein gebildeter Familie stammen."
"Vielleicht kann ich mich gerade deshalb leicht in andere Verhältnisse schicken. Die äußere Einfachheit macht mir wirklich nichts aus, mein Glück ruht auf ganz anderem Grund, Portieren und dergleichen haben damit gar nichts zu tun."
Ein paar Tage später brachte Fräulein Bergmann als Geschenk den Stoff zu einer Portiere, auch den Tapezierer hatte sie bestellt. Die Türöffnung wurde nun elegant verkleidet und sah in der Tat hübsch aus, die Kinder standen voll Bewunderung. Aber der schöne Stoff paßte nicht so recht zum Ganzen, Fräulein Bergmann selbst war die erste, die das bemerkte. "Es sehen nun allerdings die Möbelbezüge verblichen aus," sagte sie, "aber über kurz oder lang müßten diese doch erneuert werden."
Herr Pfäffling war sehr überrascht, als er zum erstenmal durch die Portiere schritt. Sie streifte dem großen Mann das Haar. Er sah sie mißliebig an.
"Es ist ein Geschenk von Fräulein Bergmann," sagte Frau Pfäffling, "du solltest ihr auch ein Wort des Dankes sagen, wenn sie zu Tisch kommt."
"Auch noch danken?" entgegnete Herr Pfäffling, "ich habe ja gar keinen Sinn für so etwas, es fängt nur den Staub auf und stimmt auch nicht zu unserer übrigen Einfachheit. Fräulein Bergmann mag sich Portieren in ihr Zimmer hängen so viel sie will, aber unsere Zimmer müssen ihr schön genug sein, so wie sie sind."
Bei Tisch saß er gerade der Portiere gegenüber; sie kam ihm wie etwas Zudringliches, Fremdes vor. Er wollte aber die Höflichkeit wahren und sich nichts anmerken lassen. Da kam noch ein kleiner Ärger zum ersten hinzu. Walburg hatte eben die Suppe abgetragen und drei Teller gewechselt. Die Kinder bekamen immer nur einen Teller.
"Finden Sie nicht, daß es gegen den Schönheitssinn verstößt, wenn die Kinder alles auf einem und demselben Teller essen?" wandte sich Fräulein Bergmann fragend an Frau Pfäffling.