„Ich werde ihn schon nehmen können,“ dachte Gretchen, „es ist doch nur Wasser darin, aber vielleicht nicht ganz reines.“ Sie schüttete es in den Ausguß, das vermeintliche Wasser glitt ganz eigentümlich aus dem Topf. Gretchen erschrak. „Sollte es doch etwas anderes gewesen sein?“ dachte sie, während sie den Topf unter die Wasserleitung hielt. Jetzt aber ging die Kochfrau an den Küchentisch.
„Wer hat mir den Hafen mit den acht Eiweiß weggeräumt?“ fragte sie. Im selben Augenblick bemerkte sie den Topf in Gretchens Hand und rief: „Weiß der Himmel, Sie haben das Wasser auf meine acht Eiweiß laufen lassen!“ „Was darin war, habe ich für Wasser gehalten und weggeschüttet,“ sagte Gretchen kleinlaut, und als Frau Batz immer lauter wurde und auch Franziska in ihr Schelten einstimmte, sagte Gretchen: „Ich habe doch gefragt, ob ich den Topf nehmen darf, aber es hat mir ja niemand Antwort gegeben!“ „Jetzt müssen gar wir noch schuld sein,“ rief Frau Batz, „ich sag’s ja immer: Keine Hilfe ist wenig, aber ein Fräulein zur Hilfe ist noch weniger!“ Gretchen hatte genug gehört, sie verließ die Küche mit dem unglückseligen Messer, das endlich doch geputzt worden war.
Sie kämpfte mit den Tränen, als sie ins Zimmer kam. „Du hast lange gebraucht,“ sagte Frau Reinwald und nahm das Messer, „aber du hast es auch recht schön geputzt.“
„Ich nicht, Franziska. Ich habe bloß acht Eiweiß in den Ausguß geschüttet.“ Gretchen konnte jetzt ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Acht Eiweiß verschmerzt eine Hausfrau nicht so leicht. Frau Reinwald war sehr ärgerlich und zankte über Gretchens Ungeschick. Als sie aber hörte, wie schlecht Gretchen in der Küche angekommen war, hatte sie doch Mitleid mit ihr. „Warum hast du das Messer nicht selbst geputzt?“ fragte sie, „so meinte ich’s, als ich es dir gab.“
„So? Daran habe ich gar nicht gedacht, sonst hätte ich’s schon getan.“
„Das war’s wohl, was Franziska geärgert hat. Wenn ein Dienstmädchen alle Hände voll zu tun hat, und es kommt so ein halbes Kind wie du, tadelt die Arbeit und sagt: mach’s besser, dann wird jede verdrießlich.“
„Frau Batz war aber noch viel ärger als Franziska.“
„Mir scheint eben, Frau Batz hat schon recht fatale Erfahrungen gemacht mit kleinen Fräulein, die nichts können und die Schuld gern auf andere schieben.“
„Ja, jedenfalls mag sie mich gar nicht und Franziska will heute auch nichts von mir wissen. Im Zimmer will ich dir helfen so viel ich nur kann, aber bitte, Mutter, schicke mich heute nur nicht mehr in die Küche hinaus!“
„Weißt du, was du damit sagst, Kind? Du sagst: Bitte, Mutter, räume mir die Schwierigkeiten aus dem Weg, damit ich sie nicht überwinden muß. Kann ich darauf Ja sagen? Komm, sei mein tapferes Kind, nicht so ein empfindliches Fräulein, geh hinaus, gib noch einmal acht Eier heraus und sage Frau Batz, ich lasse ihr raten, einen großen Zettel an ihren Topf zu binden mit der Aufschrift: „Vorsicht! Eiweiß!“