Und nun, da unser Gretchen in dieser trüben Stimmung heimkommt, wird sie von Franziska mit den Worten empfangen: „Lene ist da!“ Franziska hatte freilich keine Ahnung, was sie damit sagte. Kaum hatte Gretchen diese Worte gehört, so machte sie „Kehrt“ und stürmte die Treppe wieder hinunter. Franziska war ganz verblüfft über die Wirkung ihrer Worte. Sie trat ans Treppengeländer und rief der Fliehenden nach: „Fräulein Gretchen, Sie haben mich gewiß falsch verstanden, Ihre Lene ist’s.“

„Ich weiß schon, ich komme nicht eher wieder, als bis sie fort ist!“

„Aber, wenn ich ihr das sage!“

„Sagen Sie’s nur, sie begreift’s. Ich gehe zu Hermine.“

Lene war gekommen, um sich Gretchens Festkleid anzusehen, und ihre Enttäuschung, als sie alles erfuhr, ging Frau Reinwald zu Herzen; sie nahm es der treuen Seele auch nicht übel, daß sie in ihrer Erregung manches nicht ganz höfliche Wort und manches unverständige hervorsprudelte. Von all den guten Gründen, die Frau Reinwald anführte, wollte Lene auch nicht einen gelten lassen; erst als Frau Reinwald sagte: „Lene, so ist eben unser Gretchen, so hast du sie immer lieb gehabt und so mußt du sie auch ferner lieb behalten,“ da wurde Lene still, wischte sich eine Träne aus den Augen und sagte: „Ich möchte sie ja nicht anders haben!“

Rudi und Betty hatten Lenes Vorstellungen mit angehört und diese hatten ihnen einen tiefen Eindruck gemacht. Es war am Abend noch zu bemerken, als sie in ihren Bettchen lagen und das Ereignis des Tages besprachen:

Rudi: Hast du gehört, Betty, was die Frau Lene gesagt hat?

Betty: Ja, sie hat gesagt, daß es gar nicht recht ist von Gretchen.

Rudi: Und wenn’s die Königin erfährt, dann geht’s dem Gretchen schlecht.

Betty: Was geschieht ihr dann?